Jakobs Leiter
Nun habe ich mit der Liste der Jenseitsfilme (16. April) begonnen und schon einmal Jacob’s Ladder von Adrian Lyne gesehen (den hat Youtube auf Deutsch!). Er ist aus dem Jahr 1990 und ein ziemlich harter Trip. Die ersten 5 Minuten sind schon gruselig, es geht vom Vietnamkrieg in eine New Yorker U-Bahn-Station. Jacob Singer (Tim Robbins) sucht den Ausgang.
Der englische Regisseur Adrian Lyne ist heute 85 Jahre alt, und in den 1980-er Jahren legte er drei absolute Blockbuster hin, die Hunderte Millionen Dollar einspielten: erst den legendären Flashdance, dann 9 1/2 Wochen und schließlich Eine verhängnisvolle Affäre. Das waren Filme, die den Geist der 1980-er Jahre einfingen, und erotische Filme wurden Lynes Markenzeichen. Jacob’s Ladder hebt sich davon ab und wurde nicht besonders beachtet; in den USA spielte er gerade einmal die Herstellungskosten von 25 Millionen Dollar ein. (Rechts das gleichnamige Bild von William Blake.)
Aber es ist ein Film, der einen packt. Der deutsche Titel Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits ist natürlich wieder einmal zu knallig. Die Bedeutung der Jakobsleiter wird einem am Schluss klar. Der Held heißt ja Jacob, und der biblische Jakob war der Sohn Isaaks und träumte von einer Leiter bis in den Himmel (bei manipogo einmal behandelt). Jacob war in Vietnam angeschossen worden und ist in der Gegenwart Postzusteller in New York mit einem Doktortitel.
Er hat wirre Träume mit Flashbacks zu den damaligen Kampfhandlungen. Jacob war verheiratet und hat zwei Kinder, lebt nach der Scheidung aber in einem Apartment mit einer attraktiven Mexikanerin (Elizabeth Peña) zusammen. Dann wird es schwierig. Jacob hat den Eindruck, man trachte ihm nach dem Leben.
Immer wieder sieht er Fratzen und meint sich vom Dämonen umgeben, als wolle die Hölle ihn sich holen. Er wird krank und muss behandelt werden. Er ahnt, dass das mit Vietnam zu tun hat, und ein anderer Ex-Soldat gesteht ihm, jemand wolle ihn töten. Bevor sich Jacob länger mit ihm unterhalten kann, stirbt dieser bei einer Explosion seines Autos.
Er bekommt auch Kontakt zu 5 ehemaligen Mitgliedern seiner damaligen Einheit. Sie suchen einen Anwalt auf, um der Sache nachzugehen, doch es verläuft irgendwie im Sand. Und überall bewegen sich die Figuren in einem verwahrlosten. unheimlichen, höllisch wirkenden New York.
Der Schluss kommt unerwartet und trifft einen wie ein Schlag, doch er wird tröstlich – weil Jacobs Physiotherapeut den Meister Eckhart (1260-1328) kennt, unseren Mystiker, und ein hilfreiches Zitat von ihm aufbieten kann. Es lautet:
Das Einzige, was in der Hölle brennt, ist der Teil von dir, der dein Leben nicht loslassen will: deine Erinnerungen, deine Bindungen. Sie verbrennen sie alle, aber sie bestrafen dich nicht, sie befreien deine Seele. Wenn du Angst vor dem Sterben hast und festhältst, wirst du sehen, wie Teufel dein Leben wegreißen. Wenn du Frieden geschlossen hast, dann sind die Teufel wirklich Engel, die dich von der Erde befreien.
Das hat Ordnung! Hätte ich ahnen können, dass in einem Horrorfilm von 1990 Meister Eckhart vorkommt? Doch Lyne ist Engländer und damit der Mystik näher als ein US-Regisseur. Die Kelten als Ahnherren der Engländer lebten tief in Naturverehrung und Mystik verwurzelt, und die Druiden waren ihre spirituellen Führer.
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