Soraida, die Frau aus Palästina

Tahina Rached, die Regisseurin von Diese Mädels da, drehte 2004 in Palästina einen Film, der gut zu Lizzie Doron und den Nachbarn passt. Er heißt Soraida, eine Frau aus Palästina, und in ihr fand die Regisseurin eine gute Anwältin ihrer Sache und ihres Volkes: Sie kann wortreich ausdrücken, wie man sich fühlt, wenn man seit Jahrzehnten belagert wird.

Wir wollen da nicht zu detailliert werden und nur durch Sätze aus dem Film die Lage skizzieren. Da lebt man in Ramallah, war aber 20 Jahre nicht mehr im bloß 11 Kilometer entfernten Jerusalem. Straßensperren; dann rast wieder ein Panzerfahrzeug durch die Straßen, und eine Stimme aus dem Lautsprecher quäkt: Curfew! (Ausgangssperre!) Man weiß aber nicht, ob es nur Spaß und ein Bluff ist, doch man weiß ja nie … Dann wird geschossen, und man weiß nicht, woher die Schüsse kommen; außerdem sind in den Bergen Sniper, die auf große Entfernung treffen können.

Soraida heißt mit vollem Namen Soraida Abend Hussein, und sie hat eine dicke Freundin, Rula Abu Dahou, die hat Humor und vor allem die verrücktesten Träume; sie träumt die ganze Zeit, ein Psychologe hätte seine Freude daran. Sie sagt auch, sie pfeife, wenn der Curfew-Wagen komme, das ertrügen die jungen Soldaten nicht.

Soraida sagt:

Was wir durchmachen, ist erstickend. 
Es ist, also ob unsere Häuser ihnen gehörten. 
Was können wir tun? Verflucht seien ihre Väter! Sie kontrollieren unser aller Leben. 
Da gibt es eine dämmernde Soraida in mir, die sich dem Kampf anschließen wollte; jedoch hatte ich die Kinder.
Meine Kinder schützten mich vor der Realität; ohne sie fühlten wir uns schutzlos und ausgesetzt. 
Seit 50 Jahren ist es so, und es wird immer schlimmer. 
Ich habe sogar das Gefühl, dass sie bei mir sind, wenn ich meinen Kaffee trinke – da gibt es diese Beziehung zwischen Unterdrücker und Unterdrückten. 
Wir können kaum unser Haupt heben. 
Jeden Tag müssen wir viel zu Fuß gehen.
Es ist die reine Verdammnis. 

Wir fühlen uns wie verlorene Kinder, gedemütigt. 
Das Leben ist ein Kampf. 
Wir brauchen Respekt. Niemand hat das Recht, andere zu dominieren. 
Wo ist mein Heimatland? Was bedeutet es, patriotisch zu sein? 
Je klarer wir die Dinge sehen, desto sicherer werden wir uns fühlen.
Wir müssen unsere Humanität bewahren, auch wenn es schwer ist bei deren Gewalt
Ich könnte auch ein Monster werden. Zerstöre ich ihn, so zerstöre ich auch mich.
Wenn wir Gefangene unseres Ärgers sind, zerstöret das uns selbst, nicht ihre Armee. 
Wir müssen frei bleiben in Geist und Gedanken. 

Ja, das klingt alles schön und edel, aber auch theoretisch, wenn man unter diesen Besatzern lebt. Nach einer Stunde hat man auch genug von den wohlklingenden Monologen Soraidas, die immer mehr Gefallen daran findet, weitschweifig zu philosophieren. Aber es braucht Menschen, die mit etwas Humor und Überblick einigermaßen kühlen Kopf bewahren, denn nicht nur zwischen Israelis und Palästinensern ist die Lage verfahren.

Der Film wurde vor 20 Jahren gedreht, vor 10 Jahren schrieb Lizzie Doron ihr Buch, und auch damals wurde Gaza schon mal bombardiert, doch 2024 und 2025 ist etwas Unwiderrufliches geschehen. Das unablässige Bombardement, das die Hamas zerstören wollte und 60.000 Unschuldige im Gaza-Streifen tötete, hat alles verändert.  Jetzt die Angriffe auf Teheran und andere iranische Städte, die Razzien im Südlibanon: Israel hat sämtliche Sympathien verspielt.

 

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