Die Psyche im Exil

Jerry Kroth, emeritierter Professor der Santa Clara University in Kalifornien, sprach über Psyche, Seele und das Leben nach dem Tod. Er nannte darin die Tabus der akademischen Psychologie, wie er das in seinem Buch Psyche’s Exile getan hatte. Wenn Amerikaner etwas geschrieben haben, machen sie rastlos Werbung dafür. Aber das Thema ist es wert.

Es war ein interessanter Vortrag, den Victor Zammit in seinem freitäglichen Newsletter hatte. (Auch wenn der Vortrag schon 13 Jahre alt ist, wie ich soeben etwas entsetzt feststellte.)  In den eineinhalb Stunden erzählte Kroth ein paar wahre Geschichten, die ich noch nicht kannte. In den ersten Minuten fasste er mustergültig zusammen, worum es ihm ging.

Psyche heiße auf Griechisch die Seele, sagte er. Psychologie sei also die Lehre von der Seele. Doch etwa ab 1917, als sich die Psychologie anschickte, die Universitäten zu erobern, eliminierte sie die Seele. Sie wurde auf den Verstand (mind) reduziert und dieser auf das Gehirn. Und das sei das Paradigma der akademischen Psychologie wie auch dasjenige der »Kirche des  fundamentalistischen Materialismus«. (Rechts das Bild »Eros und Psyche«. Nacht für Nacht wartet Psyche auf Eros, den sie nicht sehen darf; dann macht sie Licht und wird dazu verdammt, Aufgaben erfüllen zu müssen. Doch so kommt die Seele zu sich.)

Das ist es, was Erich Fromm (1980) schon 1950 aussprach:

Der Psychologie fehlt es an der Seele. 

Jerry Kroth nannte 8 Tabus der Psychologie. Das sind die Dinge, über die man nicht spricht. Sie sind tabu. Der Entdecker James Cook brachte das Wort Tabu im 18. Jahrhundert aus Polynesien mit (manipogo hatte ja Ende März eine schöne Ethno-Reihe von dort), wo es soziale, religiöse oder moralische Verbote beschreibt. Über alle diese 8 verpönten Themen hat manipogo schon geschrieben, darum erwähnen wir sie nur kurz.

Nahtod-Erfahrungen
Telepathie
Präkognitive Träume
Vorahnungen
Xenoglossie (das Sprechen in Sprachen, die man nicht kennt)
Synchronizitäten
Kreative Eingebungen
Archetypen und Anomalien.

Diese Einteilung ist seine Sache. – Ein paar Geschichten daraus. Zu den Träumen: Laura Hatch war verschwunden. Nach einer Woche fuhr die Mutter mit Sha Nohr los, die von Laura intensiv geträumt hatte. Tatsächlich fanden sie das Auto in dem Waldstück, an das sich Sha erinnerte, und drin saß, noch lebend, Laura, die 6 Tage im Koma gelegen war.

Jo Jo Billingsley hatte den intensivsten Traum ihres Lebens: Ein Flugzeug stürzte ab, und drin saßen Musiker von Lynyrd Skynyrd, der Band, für die sie sang. Sie bestieg die Maschine nicht, die dann am 20. Oktober 1977 in ein Waldstück fiel. Sänger Ronnie van Zant und Gitarrist Steve Gaines kamen in den Flammen um. Die kurz zuvor erschienene LP Street Survivor zeigte die Band auch inmitten von Flammen wie in einer Vorahnung; das Cover wurde ausgetauscht. Einige Mitreisende hatten auch schon andere Flüge gebucht.

Jerry Kroth sagte uns dann, wie die akademische Psychologie auf Geschichten aus diesen Bereichen reagiere: mit Skeptizismus, mit Lächerlichmachen, mit Aufrechterhaltung der orthodoxen Meinung, schließlich mit Zensur und dann, wenn jemand sich nicht fügen wolle, mit Exkommunikation.

Das kennen wir. Im Journalismus ist das auch so.

Doch wenn wir uns vom Paranormalen einmal  entfernen, dann müssen wir feststellen, dass in Institutionen eben ein starker Gruppendruck herrscht. Das trifft auf die Medizin zu und auf alle Universitätsfächer, auf Parteien, Behörden und Vereine. Vielleicht war das schon immer und zu allen Zeiten so: Man heult mit den Wölfen, wenn man dazugehört. Ein origineller Professor sei undenkbar und ein Widerspruch in sich, schrieb Peter Sloterdijk einmal. Er sei eine »Charaktermaske« seines Fachs und lehre, was angemessen sei. Wer stört, wird ausgesondert. Darum gibt es so wenig echten Fortschritt in der Gesellschaft.

∑ Ñ

Bei einem Klassentreffen in Bayern im Mai (50 Jahre Abitur) wandte sich die einzige Psychologin irgendwie aggressiv an mich: Ich solle mein Leben kurz schildern. Das tat ich und schloss mit den Worten, ich sei zu mir gekommen und irgendwie »geführt« worden. Das kam bei ihr nicht gut an, bei Spirituellem sehen Psychologen rot. Die Frau legte mir also eine Gesellschaftstheorie von Jean Piaget auseinander, und ich begriff nicht, was das sollte; und dann wies sie stolz auf ihren Gegenüber, der sei »Wissenschaftler«. Michael war Geologe und hatte über die Vorgeschichte eines Ortes in der Nähe geschrieben, mit der Seele hatte er nichts zu tun. Jedenfalls konnte ich ihr noch vermitteln, dass ich nichts von akademischen Psychologen halte, und das war’s dann auch,   

 

Verwandte Beiträge:

Ein Neurochirurg und die Seele – NamensschilderLeerstellenTestpilotInnen (62): Die Zweifler

 

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.