Freya von den Sieben Inseln

Freya von den Sieben Inseln, sie passt zu unserer tapferen Gyp von gestern. Freya ist jung, 21 Jahre, aber sie hat sich in der Gewalt und geht ihren Weg. Leider ist der Schöpfer der Figur und Autor des 1915 erschienenen Romans, der Pole Joseph Conrad (1857-1924),, noch härter als Galsworthy. Ein Unhappy-End gibt er uns.

Ich dachte auch an Dona St. Columb aus dem Roman Frenchman’s Creek (Link unten), auch so eine starke Frau an der englischen Südküste. Freya ist in der nordischen Mythologie übrigens die Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und der Magie.

Im Roman lebt sie auf einer der sieben Inseln unweit von Singapur, wo sich ihr Vater, der alte Nelson (sein echter Name, Nielsen, war schwer auszusprechen), eine kleine Villa gebaut hat. Es taucht auf der junge Jasper Allen, der um sie wirbt. Ein Hitzkopf, segelt er stürmisch auf den Hafen zu, springt an Land und strebt zu ihr. Beide sind sie verliebt. Zitieren wir eine schöne Stelle, in der alles steht:

Den Kopf in die Hand gestützt, stand Jasper an die Großwant gelehnt und dachte an Freya. Alles in der Welt erinnerte ihn an sie. Die Schönheit der geliebten Frau spiegelt sich in den Schönheiten der Natur. (…) Von Dingen abhängig wie alle Männer, liebte Jasper sein Schiff – das Haus seiner Träume. Er verlieh ihm etwas von Freyas Seele. Das Deck der Brigg war gleichsam das Fundament ihrer Liebe, und der Besitz der Brigg dämpfte die Glut seiner Leidenschaft zur beruhigenden Gewissheit eines schon erkämpften Glückes. 

Auch in einer Übersetzung wirkt Conrads Prosa einfach schön. Und bedenken wir, dass er auf Englisch schrieb, einer Fremdsprache für ihn (wie für den Russen Vladimir Nabokov auch, der darin ähnlich stilsicher war)! Conrad fuhr selber zur See, aber nur 7 Jahre, bevor er sich als freier Schriftsteller niederließ. Unvergessen ist sein Buch Herz der Finsternis.

Noch ein Zitat:

Die Schönheit der Brigg ergriff ihn zuweilen mit einer solchen Zaubermacht, dass er ganz vergaß, wo er sich befand. Und außerdem war das Gefühl der Überlegenheit, das die Gewissheit, geliebt zu werden, einem jungen Mann einflößt, so stark, dass er die Illusion hatte, er sei durch den zärtlichen Blick einer Frau gegen jede Unbill gefeit. 

Das Schiff und die Frau. Tragen Schiffe nicht meist Frauennamen? Das Schiff ist Obdach, ist das empfangende Yin, ein Halt in der Gefahr. Jasper Allen ist ein Draufgänger, doch Freya weiß ihn zu lenken. Ein perfektes Team wäre es, und sie wollen heiraten.

Doch bei Conrad tritt immer ein Schurke auf. Hier ist es der dicke Holländer Heemskirk, der Freya für sich gewinnen will, sich aber eine Abfuhr abholt. Der alte Nielsen hat Angst vor den Behörden, der Holländer schürt diese Angst, und eines Tages fährt er mit seiner Neptun hinaus und bringt die schöne Brigg auf unter dem Vorwand, Jasper handle mit Waffen. Das Schiff zerschellt an einer Klippe und bleibt liegen. Jasper Allen leidet wie ein Hund, und Freya wird schwer krank, muss zur Erholung nach Hongkong. Sie werden sich nicht wiedersehen.

∃ ∅ ∃

Nur ein Wort noch zur Erzählhaltung. Der, der die Geschichte erzählt, bekommt einen Brief, in dem er das Neueste über Nielsen erfährt, und dann erinnert er sich an seine Besuche dort, flüchtig lernte er Freya ja kennen, und den Rest erzählt er uns eben, malt es uns aus. Da nimmt er sich eine Freiheit heraus, die der Journalist nicht hat.

Ich mag dieses Vorgehen. Als Wassermann-Sternzeichen bin ich immer etwas neutral und stehe gern abseits, um zu beobachten. Bloß keine Dramen und Szenen! Die AutorInnen sehen zu und berichten; leidenschaftlich sind die anderen.

Das Foto oben ist ein Free Stock Photo, die Brigg ist von Karl-Heinz Brunner, Sulzburg, gemalt worden.  

 

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