Symbolischer Nahtod
Ein paar Erlebnisse aus meinem Leben sind ja auch gut, so wie Maria Stein und das Museum mit der ägyptischen Unsterblichkeit. Und ein drittes will ich hinzufügen, das sich von 19. bis 22. September ereignete, auf meiner Rückfahrt von Bayern. Kann man real lesen und auch anders.
Irgendwie hatte ich vage Warnungen nicht ernst genommen, fuhr los – und nach knapp 100 Kilometern erklang ein Warnton: hohe Temperatur. Ich hielt an, das Kühlwasser kochte und floss ab. Ich füllte Wasser nach und war ratlos. Es war gerade an der Abfahrt nach Aitrach. Ich fuhr in diese Richtung, und am ersten Kreisel, gleich vor mir, war ein Schild: VW Service. Da stellte ich meinen Volkswagen Golf ab. Was nun? Samstagabend in einem verlassenen Gewerbegebiet dieses Landes.
Da kam ein Radfahrer und stürzte. Ich rannte hin und half ihm auf.
Das war Heinrich, der mir dann half und mich zum nahen Campingplatz brachte. Es war ja schon unglaublich, dass der Wagen direkt an einer Ausfahrt stehenblieb, und dass dann so nah eine VW-Werkstatt war und Heinrich hinzukam, der nie angehalten hätte, wäre er nicht gestürzt. Viele Zufälle, die an das Wirken einer guten hilfreichen Kraft denken lassen! Unser Jenseits-Team! (Heinrich hatte nur ein paar Prellungen abbekommen, tut uns leid.)
Blieb den Sonntag auf dem Campingplatz. Sah im Ort, neben dem Lidl, eine Kapelle für den heiligen Konrad von Parzham (1818-1894), der 41 Jahre Pförtner des Kapuzinerklosters Altötting gewesen war. Jeden Morgen um 4 Uhr begann er seinen Dienst, um 20 Uhr ging er zur Ruhe, Konrad, der elfte Sohn einer Bauernfamilie aus Parzham. 1934 wurde er heiliggesprochen. Ihn bat ich, mir zu helfen. – Nett war’s auf dem Campingplatz, dann versprach Rudolf Breher vom VW-Shop mir, das nötige Teil zu besorgen und es Dienstagvormittag einzubauen. Er würde mich anrufen. Dann jedoch hielt ich das Warten nicht aus und schob mein Fahrrad in Richtung Werkstatt, 4 Kilometer entfernt.
Kaufte mir ein Eis, setzte mich auf eine Bank neben der Kapelle des heiligen Konrad – und dort kam der erlösende Anruf, der Wagen sei in Ordnung (kein Motorschaden!) und könne abgeholt werden. Genau dort! (50 Minuten war ich unterwegs, 1 Minute saß ich auf der Bank – genau da. Freilich gibt es immer welche, die »Zufall« rufen.) Bald danach fuhr ich die 250 Kilometer am See entlang und durch den Schwarzwald nachhause, kaufte im Edeka noch ein paar Dinger ein, und die Kassiererin sagte verblüfft: 5 Euro, ganz genau! Das war das Siegel auf die Unternehmung und den Tag, der triumphale Abschluss: Alles stimmte.
Später dachte ich mir, dass man das alles anders erzählen könnte, als symbolische Nahtod-Erfahrung. Man sagt ja zuweilen, die Seele sei wie die Fahrerin eines Autos und der Körper sei eben das Auto. Seele lenkt Körper. Also sagen wir: Ein
Mensch hat erhöhte Temperatur, und dann setzt sein Herz aus. Zufällig ist da eine Klinik. Körper fällt ins Koma, Seele (ich) steigt aus. Erkundet die Jenseitswelt, die der Campingplatz sein konnte, denn 2 Frauen nahmen mich gleich in Empfang und zeigten mir den Zeltplatz, eine Frau aus Lettland briet mir einen Hamburger und kam später vorbei, um mir eine Decke zu leihen, weil es kalt war. (Später sagte sie mir: ›Die Decke kannst du behalten!‹)
Am nächsten Tag sah ich auf dem Platz einen Mann, der unglaublich Giulio ähnlich sah, meinem vor 2 Monaten verstorbenen Freund aus Rom. Er wanderte auf den Wiesen umher und beachtete mich nicht. Ein alter Mann, ein Großvater, stellte seinen Urenkelinnen einen Kinobesuch in Aussicht und sagte dann zu mir, und das war ein Kommentar nicht von dieser Welt:
Du willst alles für diese Kleinen machen, denn stell dir vor, was sie in ihrem Leben noch alles vor sich haben, was sie aushalten müssen!
Die jungen Frauen von der Campingplatz-Verwaltung waren supernett; als ich andeutete, ich könne erst später auschecken, sagte die eine: ›Da werden wir eine Ausnahme machen. Reisen Sie ab, wenn es Ihnen passt!‹ (Links oben die Sommerwiese, irgendwo da hinten stand einsam mein Zelt. Wenn es nachts nur nicht so kalt gewesen wäre! 4 Grad am frühen Morgen, und ich im Schlafsack! Das war nicht jenseitsmäßig. Ich habe mich da auch erkältet.)
Der Ort selber, Aitrach, 3000 Einwohner, mit Lidl und 2 Bäckereien war auch nicht schlecht, andauernd wurde man freundlich gegrüßt.
Dienstag um zwei Uhr war der Wagen fertig, ich stieg wieder ein, das Leben beginnt von neuem mit Jubel (es hätte ja einen Motorschaden geben können, was hätte ich dann gemacht, ohne Körper, allein im Jenseits?) Wir kamen also wieder zusammen, wir fuhren freudig durch den Schwarzwald auf Freiburg zu, und plötzlich hatte ich viele neue Pläne.
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