Niklaus von der Flüe
Doch noch einen Beitrag zu den Wundern! Ein Buch über den Schweizer Eremiten Niklaus von der Flüe hatte ich eigentlich in Staufen deponieren wollen, beim katholischen Heim St. Margareten. Dann las ich es selber und war beeindruckt. Niklaus oder Klaus, da steckt schon der Klausner drin. Wir wollen sein Leben kurz schildern.
In Sachseln in Obwalden 1417 geboren (wo er 1487 auch begraben wurde), war Niklaus ein kräftiger Bauer, der heiratete und zehn Kinder zeugte (5 Mädchen und 5 Knaben). Er führte seinen Hof, wurde Richter und Ratsmitglied, wenngleich er auf das höchste Amt verzichtete, den Landammann. Er war frei von Ehrgeiz und Machtgelüsten. Sogar mit den Obwaldner Truppen zog er mit, schonte aber feindliche Soldaten, so gut es ging. Das Richteramt legte er später nieder, »mit Ekel erfüllt von den weltlichen Geschäften«. Schon damals war er gottesfürchtig und fastete 4 Tage die Woche.
Niklaus soll gesagt haben, »dass er im Mutterleib, ehe er geboren war, einen Stern am Himmel gesehen habe, der die ganze Welt durchschien«. Später, in der Einöde, sah er diesen Stern wieder. Mit 16 Jahren erblickte er an dem Ort, wo sein Hof stehen sollte, einen Turm. Auch als Bauer hörte er Mahnungen und Vorhaltungen. Ein Sohn berichtete, er habe erzählt, »eine Wolke vom Himmel« sei gekommen und habe mit ihm geredet, er sei ein törichter Mann und solle sich ergeben in den Willen Gottes. (Rechts: ein Bild von 1492, 5 Jahre nach seinem Tod)
Niklaus sah einmal, wie »der Pilatusberg in den Erdboden versank, und offen lag die ganze Welt, so dass alle Sünder in der Welt sichtbar wurden. Und es erschien eine große Menge Menschen, und hinter den Menschen stand die Wahrheit, denn alle hatten ihr Angesicht von der Wahrheit abgewandt«. Diese Menschen befiel eine Geschwulst im Herzen, zwei Fäuste groß, und das war ihr Eigennutz. (Dazu kommen wir noch: die übermäßige Selbstliebe bei Swedenborg.)
Visionen verfolgten Niklaus, sogar der Teufel stürzte sich auf ihn und misshandelte ihn. (Das ist aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar, vielleicht quälte ihn eine negative Unterpersönlichkeit.) Immer wieder war das Wort von der Weltabkehr in ihm. Schließlich stürzte er in die Krise, konnte nicht mehr arbeiten und sich nicht mehr an seiner Familie erfreuen. Pfarrer Heimann am Grund riet ihm, sich auf Christi Leiden zu konzentrieren. Gern meditierte er über einer Art Mandala (von der Seite Bruder Klaus).
Endlich tat er 1467 den entscheidenden Schritt und bat seine Frau, ihn freizugeben. Dorothea Wyss weigerte sich lange, stimmte dann aber zu. Niklaus war 50 Jahre alt, die meisten seiner Kinder schon erwachsen; die Familie war abgesichert. Er fand im Ranft, einer Schlucht, seinen Platz und baute sich eine Hütte. Damals hatten die Menschen Angst vor dem Wald. Die Landgemeinde erstellte ihm daneben eine Kapelle (seltsam: Seine Familie widersprach, weil sie die Ausgaben scheute). Später ließ sie ihren Einsiedler sogar vor böswilligen Theologen schützen, die Niklaus schaden wollten.
Wie wir bereits in anderen Artikeln über Eremiten erfuhren, strömten die Leute zu ihm. Klaus beriet auch Politiker und tröstete. Einmal riet er den Schweizern, in ihren eigenen Grenzen zu bleiben. Sie hielten sich nicht daran – und kassierten eine entscheidende Niederlage 1515 in Marignano.
Niklaus von der Flüe war ein großer Beter und stand in der Tradition der Mystiker, obschon er vermutlich nicht lesen und schreiben konnte. Bruder Ulrich durfte in seiner Nähe sogar eine eigene Hütte bauen. Sie besuchten sich dann gegenseitig wie in Bayern Herluka und Dietmut (Link unten).
Niklaus ging im Sommer 3 Stunden zu einer Höhle und betete dort. Er besuchte oft Unsere Liebe Frau in Einsiedeln. Seine Kapelle ließ er der Maria Magdalena weihen. 20 Jahre lebte Niklaus von der Flüe im Ranft. Er aß die ganze Zeit über nichts. Man überwachte ihn lange, doch niemand konnte je nachweisen, dasss etwa jemand dem Klausner Speise in die Hütte gebracht hätte. An seinem Grab ereigneten sich später zahlreiche Wunder.
Übrigens wird in der Kirche von Stans, wo der Bruderklausenweg beginnt (hinauf zur Kapelle), auch Mar Charbel verehrt, der Einsiedler aus dem Libanon. 1947 wurde Bruder Klaus heiliggesprochen; er gilt als Schutzpatron der Schweiz.
Und noch ein Zitat aus dem Buch Niklaus von der Flüe, 1962 herausgegeben von Walter Nigg (Patmos-Verlag Düsseldorf):
Er war und bleibt der lebendige Heilige, allezeit gleich nah und gleich fern. Die Heiligen sind nicht tot, sie gehören zu den Geistern, die das Fluidum der Anwesenheit besitzen und uns Menschen innerlich umstellen. Bruder Klaus ist ein Mann, mit dem man zeitlebens ein Gespräch führen kann, er ist mit der Stimme immer erreichbar, und wer mit ihm im Geiste wahrhaft redet, dem antwortet er auch.
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