TestpilotInnen (106): Becky Hawkins‘ Schützlinge
Das ist nun eine alte Geschichte, aber darum nicht weniger schön. Becky Hawkins erzählte bei einer Tagung von Menschen, die sie im Hospiz betreute und die starben; viele hatten zuvor ein Nahtod-Erlebnis gehabt, als Einstimmung sozusagen. Den Vortrag hielt sie am 9. Oktober 2012 in Arizona, sie war damals 60 Jahre alt und bereits in Rente. Ein Buch hatte sie damals auch geschrieben, in 5 Tagen. Becky war Hospiz-Krankenschwester und auch Kaplanin. 30 Jahre lang übte sie diese Tätigkeit aus, die ihr manches beibrachte:
Sterbende Menschen können uns so viel übers Leben lehren. Die Bücher, die ich über Nahtod-Erfahrungen las, fügten meinem Glauben Hoffnung hinzu. Ich hatte mich gefragt: »Wohin begleitete ich denn diese Sterbenden?« Ich war wohl eine Hebamme, um ins andere Leben zu führen. Wohin zu gehen half ich ihnen? An einem Tag verloren wir 3 Bewohner. Ich weinte.
Dann zählte Becky Hawkins die Erlebnisse mit ihren Schützlingen auf.
Eine Frau war 70 Jahre alt und immer noch schön. Sie sagte mir, sie sei außerhalb ihres Körpers gewesen, an einem überaus schönen Ort sei sie gewesen ohne Schmerzen. Alles weiß. Unbeschreibliche Liebe. Dann war sie wieder zurück und sagte nur zu ihrem Vater, den sie anscheinend sah: »Ich bin gestorben, und es war echt.«
Ein Geistlicher staunte: »Das Zimmer ist voller Engel. Sie sind dort drüben. Becky, ich muss gehen!«
Eine Frau erzählte auf der Intensivstation: »Drei Mal war ich im Himmel, und immer wieder haben sie mich zurückgeholt. Sie sollen mich jetzt gehen lassen! Du würdest nicht glauben, was für Musik ich hörte, und diese Liebe und dieser Frieden …
Vor zwei Jahren lag ein Freund im Sterben. Er erzählte von seinen Tagen bei der Armee und verriet ihr, er habe keine Angst vor dem Tod. Er sei außerhalb des Körpers gewesen, »wundervoll, und alles war blau«.
Larry berichtete: »Meine Mutter kam, die schon zehn Jahre tot ist. ›Ich will dir beim Weg hinüber helfen (to cross over)‹, sagte sie. ›Noch nicht. Bald‹, fügte sie hinzu. Ich glaube es mit ganzem Herzen: Sie werden da sein.«
Die Mutter meines Mannes erlitt einen Schlaganfall. Danach lebte sie 12 Jahre in einem Pflegeheim. Eines Tages wollte sie mit mir sprechen. »Im Krankenhaus bin ich gestorben. Ich war oben in einer Ecke. Ich habe meine Familie gesehen. Ich habe keine Angst mehr.« Bald danach starb sie ganz still.
Eine Frau klagte, sie sei nicht gut genug, um erlöst zu werden. Ich sagte ihr, sie werde nicht allein sterben müssen. Nachdem die Frau gestorben war, lange danach, besuchte ich einmal ein Medium, das mir folgende Worte von ihr übermittelte: »Du hast mir beim Hinübergang geholfen. Ich habe es geschafft, es ist okay, ich war gut genug.«
Mein Bruder war ein harter Bursche. 15 Jahre lang lebte er ein wildes Leben mit Autos, Frauen und Drogen. Vor seinem Tod gab er mir zu verstehen, er sei an einem schönen Ort gewesen, zur Linken die Mutter, zur Rechten gute Freunde, und er habe gejubelt: »Mutter, ich atme!« Auch er starb versöhnt.
Becky Hawkins versuchte ihre Lehren aus 30 Jahren Hospizarbeit und ihre Spiritualität in einfache Formeln zu fassen:
Wir sind schöne Geister, die sich nur eine kurze Zeit auf der Erde aufhalten.
Wir sind mit einer großen Absicht in uns hier, und dass wir kamen, war Absicht.
Es gibt einen großartigen Plan Gottes.
Wir sind hier, um uns um unsere Erde, die Pflanzen und alles zu kümmern.
Sei du! Fürchte dich nicht, dein authentisches Selbst zu sein.
Gib deiner Welt, gib deinem Nachbarn!
Denn du hast es in dir drin.
Tu, was du gut kannst!
Fürchte dich nicht vor dem Übergang! Das ist eine hohe, heilige Zeit!
Meine Mutter, die stets rational war, erzählt in ihren letzten Jahren im Pflegeheim einmal von einem Traum: Da hätten viele Menschen Tücher geschwenkt, es sei überaus fröhlich gewesen, man werde das nicht vergessen können.
Das wäre vielleicht auch ein guter Weihnachts-Beitrag gewesen. Und nun noch einmal den Soundtrack dazu: »As We Go« von Luminar.
Und eine gute Lektüre dazu ist ein Artikel von Anfang November, den Sarah Tekath über Hospizarbeit in den Niederlanden geschrieben hat: Dem Tod Raum im Leben geben. Er wurde für Die Korrespondentin verfasst.
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