Göttliche Maria

Maria muss in diesen Mai noch rein. Ich freue mich ja immer, die alten Marienlieder zu singen und will wenigstens einmal über SIE schreiben. Maria ist keine Göttin, aber sie sollte es sein. Wir dürfen sie laut Christentum verehren, aber nicht anbeten. Zu ihr beten schon, aber nicht sie anbeten. Das tut man mit Gott und Jesus Christus.

Eine Frage ist aber legitim: Maria hat Jesus Christus geboren, der »eines Wesens mit dem Vater« ist, also ein Gott. Da hat also eine einfache Frau aus Palästina einen Gott geboren. Die Theologen jedoch sagen: Sie hat den menschgewordenen Jesus auf die Welt gebracht. Er ist eine Inkarnation des Göttlichen. Gott ist Mensch geworden, und dieser hat also sein Gottsein für eine Weile an den Nagel gehängt. So beschloss man das im Jahr 325, also vor 1700 Jahren. Noch weitere 350 Jahre dauerte es (bis etwa 675), bis die Trinität amtlich wurde. (Rechts ein Ölbild von Maria. Hat mein Großvater Maximilian Jais in Landsberg gemalt. Nur halb gelungen. Das Gesicht ist nicht besonders schön.) 

Maria trug das Kind aus. Josef war der Stiefvater. Er bleibt in dieser Geschichte eine Randfigur, ein blasser Komparse. Nirgends ist überliefert, ob jemand aus den höheren Sphären (ein Engel) sich an ihn wandte. Sagen hätte man ihm müssen:

Du, deine Frau wird bald schwanger. Aber sie ist dir nicht untreu gewesen. Sie ist überhaupt noch Jungfrau. Es ist ein Kind Gottes, der Erlöser. Und du, untersteh dich nicht, Maria anzurühren! Sie ist heilig. 

Der Ärmste. Man nennt es ja eine Josefs-Ehe, wenn Ehepaare keinen Sex haben. Aber genug davon.

Ø Ø

Nach Dead Man wollte ich wissen, ob die Einheimischen Nordamerikas, die Indianer, auch Göttinnen hatten und haben. Schauen wir bei Luisa Francia nach, in ihrem Buch Eine Göttin für jeden Tag.  Wir gehen die 365 mal durch.

Ruby Plenty Chiefs wurde von der Autorin Lynn Andrews (1940-2022) vorgestellt, die von ihr angeleitet wurde. Sie war eine blinde Medizinfrau, die mit anderen Organen (der Haut, Händen und Füßen) sehen konnte. Sie war weise, aber auch spöttisch und respektlos und hatte ihren Ursprung im Mythos der Crow/Cree.

H’uraro atira wird von den Pawnee verehrt. Sie ist die Erdgöttin schlechthin, die Herrin über Leben und Tod, und der Wind ist ihr Atem.

Gendenwitha heißt bei den Irokesen die Morgensterngöttin – »die, die den Tag bringt«. Sie lebt mit der Morgenröte im Himmel zusammen.

Awehai fiel (bei den Irokesen) von Himmel und brachte Pflanzensamen und Tiere mit, Nach ihrer Landung stieg sie auf eine Schildkröte, man kratzte Krümel zusammen und schuf die Erde, und Awehais Kinder waren die Irokesen. (Das ist die Geschichte der »Himmelsfrau«, Link unten.)

Glispa ging in die Unterwelt und lernte vom Schamanen des Schlangenvolks magische Heilweisen und den Hozoni-Gesang, die sie ihrem Volk, den Navajos, mitbrachte. Ihr Gesang wird bei einem 4-tägigen Ritual gefeiert.

Hanwi ist die Mondgöttin der Oglala und gleichzeitig Gebieterin über Heilrituale. Sie vertreibt böse Gedanken und schenkt den Menschen schöne Träume.

Die Weisse Büffelkalbfrau brachte den Lakota die Friedenspfeife, was Kriege mit anderen Stämmen Einhalt gebot. Die Medizin der Pfeife ist nötig, um mit anderen in Frieden zu leben. Wird ein weißes Büffelkalb geboren, kommt die Zeit der Stammeskulturen zurück.

Λ ∇

Morgen ist übrigens der große Feiertag der Gitanes in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer  in Südfrankreich. Am Meer gelegen ist es, wie der Name sagt und worauf auch Maria zurückgeht. Angeblich wurden einige Anhänger Jesu mit dem Schiff ausgesetzt und landeten dort an, unter ihnen Marie Jacobé (die Mutter des Apostels Jakob, vielleicht war sie eine Schwester der Gottesmutter), die morgen ihren Festtag hat. Erst am 23. Oktober wird die zweite Marie verehrt, Maria Salomé.

Die Sinti und Roma feiern allerdings besonders ihre Schutzpatronin: die Dienerin der beiden Marien, die dunkle Sara. Die Feiern der Gitanes sind legendär. Einen Eindruck von ihnen bekommen wir, wenn wir im Film Latcho Drom von Tony Gatlif nach 1:14 Stunden hineinschauen (etwa bis 1:21). Viel Gitarrenmusik. Vive Sainte Sara!

 

 

Verwandte Artikel:

Die Himmelsfrau – Hunderte Male: Maria – Maria, du Perfekte –  Wie Jesus der Heiler zu Gott wurde 

Und die über das Buch Eine Göttin für jeden Tag:

LibussaGöttinnen, wie immer im MaiDunkle GöttinnenMai-GöttinnenDiana 

 

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.