Alle fahren vorbei

web108 am 28. Mai 2013 um 01:00

In Italien kann man die kleinen Straßen schön befahren, kilometerweit kein Auto. Aber auf den Schnellstraßen ist es gefährlich, und in den Städten sowieso. Männer, mit hohem Tempo unterwegs, um Ecken zischend, dabei ins Handy quatschend, und dabei noch die schlechten Straßen! Am Straßenrand sind wie überall auf der Welt die Mahnmale. Ich will mehr »

Santa Marinella (2)

web108 am 27. Mai 2013 um 01:04

Nach einer Woche kannte ich schon eine Menge Leute in Santa Marinella: die Verkäuferinnen im Supermarkt, den Barista im Internetcafé, den Fahrradhändler, die Eisverkäuferin; dann den Belgier, der einen Souvenirladen betreibt, zwei bettelnde Obdachlose, die beiden Straßenreiniger, die täglich unten am Meer vorbeikommen; einen Immobilienagenten, den Bahnbeamten und den Besitzer der Bar Gattammare, der dem Schauspieler Jeff Bridges ähnelt.      Ich will mehr »

Montemassi (2)

web108 am 26. Mai 2013 um 00:54

Es spielt ja keine Rolle, wann ich wo war. Diese Orte existieren auch ohne mich. Montemassi etwa ist zeitlos. Wie man in Santa Marinella immer das Meer als Hintergrund hat, sieht man von oben, von Montemassi, immer die Ebene 200 Meter tiefer, das ganze regelmäßig mit Bäumen bestandene Land. Die Mauersegler zischen in Gruppen an den Wänden vorbei und schreien schrill. Ich will mehr »

Montemassi (1)

web108 am 25. Mai 2013 um 00:11

Bianca hatte 1990 eine kleine Wohnung mit Garten in dem Bergdorf Montemassi erworben, zwischen Grosseto und Siena, weitab von der Hauptstraße. Die Welt mit ihren symmetrisch ausgerichteten Reihen alter Bäume liegt weit unten, und nachts hört man nur ein paar Vögel,  ab und an einen bellenden Hund oder eine jammernde Katze. Ansonsten königliche Stille. Ich will mehr »

Psi-Experimente (IV): Fernwahrnehmung

web108 am 24. Mai 2013 um 00:58

Fernwahrnehmung gefällt mir. Ich habe manchmal meine Mutter gebeten, sich in ihrer Umgebung etwas anzuschauen zu einer festgelegten Zeit: Sie sollte sich auf das Objekt konzentrieren und an mich denken. Ich versuchte dann, in Trance zu gehen und meine Eindrücke aufzuzeichnen. Später habe ich ihr meine Zeichnung geschickt, und sie sollte mir ein Foto ihres Objekts schicken. Manchmal war es sehr gelungen. Ich will mehr »

Vier Wochen später

web108 am 23. Mai 2013 um 01:06

Vor vier Wochen, am 23. April, brach in Bangladesch ein Fabrikhaus zusammen. Nun weiß man, dass über 1000 Menschen starben, meist Frauen. Das war Femminicidio! Die Polizei hatte das Gebäude, das tiefe Risse aufwies, sogar gesperrt, doch die verbrecherischen Fabrikbesitzer sprengten das Siegel und ließen die armen Frauen arbeiten, für 30 Euro in der Woche oder im Monat, und dann schlug die halbtote Ruine sie auch noch tot. Ich will mehr »

Santa Marinella

web108 am 22. Mai 2013 um 00:44

Eigentlich wollte ich gar nicht unbedingt nach Santa Marinella. Aber man lässt sich vom Leben führen, wie es Jean-Louis einmal ausgedrückt hat, ein spiritueller Franzose, den ich in Südfrankreich kennengelernt hatte. Ich warf also meine Planungen um. In Misano war es auch am fünften Tag wieder grau gewesen, und Numana bei Ancona lag nur 70 Kilometer weiter südlich. »Fahr doch gleich weiter runter, nach Santa Marinella, da ist immer gutes Wetter, auch wenn es in Florenz regnet«, hatte Giovanna gesagt. Ich will mehr »

No al Femminicidio

web108 am 21. Mai 2013 um 01:02

No al Femminicidio – gegen Frauenmord! So heißt eine Serie von Beiträgen in der Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen italienischen Fernsehens, dem Telegiornale. Jeden Tag wird seit Anfang Mai ein Fall vorgestellt, und eine bekannte Autorin, eine Psychologin oder ein Politiker äußern ihre Meinung dazu. Immer wieder werden italienische Frauen von ihren eifersüchtigen und besessenen, besitzergreifenden Ex-Partnern getötet. Ich will mehr »

Pizza Roma

web108 am 20. Mai 2013 um 00:20

In einem südosteuropäischen Restaurant (oder einfach: beim Griechen) fiel es mir wieder auf: Ich bestelle die Gerichte nach dem Namen, den sie tragen. Ich verleibe sie mir ein, die Gerichte, aber auch ihren Namen, weil er mir etwas sagt oder meine Stimmung wiedergibt. Oft: Pizza Roma. Oder: Pizza Amore. Kleopatra-Teller. Mein Gegenüber denkt immer, dass es wegen Rucola, der Salami oder des Käses ist; es ist aber der Name. Ich will mehr »

Vier Wochen danach

web108 am 19. Mai 2013 um 01:03

Vor vier Wochen hatte ich über den schrecklichen Verkehrsunfall bei Pähl in der Nähe von Weilheim berichtet, der zwei jungen Mädchen das Leben gekostet hat, ich glaube, sie hießen Cora und Manuela. Plötzlich gleiten diese Menschen in die Vergangenheit, die Hinterbliebenen sind immer noch fassungslos; ein Blitz hat eingeschlagen und alles zerstört, und man muss versuchen, alles zu verarbeiten. Das wird eine Aufgabe für den Rest des Lebens bleiben. Ich will mehr »