Kauderwelsch

web108 am 22. Februar 2022 um 00:45

Der spanische Schriftsteller Jorge Semprun (1923-2011) nannte seinen Roman aus dem Jahr 1981 Algarabía, was »Kauderwelsch« bedeutet, und vielleicht war es selbstironisch gemeint. Das Buch hat eine abenteuerliche Konstruktion, mit der ich selber versuche klarzukommen, aber beim Schreiben für manipogo wird mir das schon klar werden. Der Erzähler stirbt. Geht eigentlich gar nicht. Ich will mehr »

Feralia

web108 am 21. Februar 2022 um 00:28

Im antiken Rom wurden die Toten im Februar geehrt. Verehrt wurden die Manen oder Laren, die Totengeister, und irgendwo las ich, es sei am 17. Fenruar gewesen, woanders, am 19., doch korrekt scheint der Zeitraum zwischen dem 13. und 21. Februar zu sein. Es entspricht wohl unserem heutigen Allerseelen (2. November) und dem Dia de los Muertos der Mexikaner (31. Oktober). Abschluss war die Feralia. Ich will mehr »

Tote erzählen

web108 am 20. Februar 2022 um 00:34

Man kann einen Schritt weitergehen und den Geist selber erzählen lassen. Das haben manche Autoren getan. Hat den Vorteil, dass er den »allwissenden Erzähler« spielen kann, denn der Geist kriegt alles mit und bleibt doch unsichtbar. Manche Mordopfer haben aus dem Jenseits über ein Medium ihren Mörder enttarnt, doch das muss ich noch recherchieren.  Ich will mehr »

Gespenster aus Schweden

web108 am 19. Februar 2022 um 00:12

»Gänsehaut« wünschte die schwedische Krimi-Autorin Helene Tursten (geboren 1954) ihren Lesern zum Einstieg in den Band Die Frau im Fahrstuhl (2004). Ich erzählte eine davon einer Kollegin, und sie sagte: »Da krieg‘ ich Gänsehaut.« Frau Tursten schrieb, sie habe lang in einem Krankenhaus gearbeitet und erzähle die Episoden so, wie sie ihr erzählt worden seien. Ich nehme ihr das ab, hundertprozentig.  Ich will mehr »

Umberto D.

web108 am 18. Februar 2022 um 00:21

Filme über alte Menschen sind selten, weil es dann zu deprimierend würde. Also macht das Fernsehen (sicher nicht nur das deutsche) Komödien, in denen alles halb so schlimm ist und versöhnlich ausgeht. Ein guter, weil realistischer Film kommt aus dem Italien der Nachkriegszeit, der Periode des Neorealismus. Vittorio de Sica (1901-1974) hat ihn 1952 gedreht, und das Werk heißt Umberto D. Ich will mehr »

Viele Stufen

web108 am 17. Februar 2022 um 00:52

Aus Rachel Remens Buch Dem Leben trauen habe ich bereits drei Geschichten genommen, und hier kommt eine vierte. Im Original heißt das Buch Kitchen Table Wisdom (Weisheiten vom Küchentisch oder vielleicht Küchenlatein?) Die Ärztin verhehlt auch in diesem Buch nicht, dass sie immer  mit der Medizin-Ausbildung unzufrieden war. Sie fördert mit ihrem Institut andere Ansätze; dies als Gegengewicht zum gestrigen Sündenregister. Ich will mehr »

Überbürokratisierung

web108 am 16. Februar 2022 um 00:51

Schauen wir noch ein letztes Mal in das Freisleben-Buch Medizin ohne Moral, das jedem im Gesundheitswesen Tätigen ans Herz zu legen ist. Der Allgemeinarzt spricht an, was viele Kolleginnen und Kollegen bedrückt: Da ist etwa der Aufwand für Information und Dokumentation, der auch in den Pflegeheimen allmählich überhandnimmt. Ich will mehr »

Das Medizinsystem und seine Sünden

web108 am 15. Februar 2022 um 00:05

Diesen Beitrag habe ich lange vor mir hergeschoben, weil er schwierig zu werden versprach. Aber einmal muss es sein. Erich Freisleben klagt in Medizin ohne Moral über die Rückschritte der vergangenen 30 Jahre und skizziert die gegenwärtige Lage. Es gehe in Richtung einer teuren Techno-Medizin in der Hand von Effizienzexperten und ärztlichen Automaten.    Ich will mehr »

Valentin und die Neue Verkehrsordnung

web108 am 14. Februar 2022 um 00:36

Zum Valentinstag ein Beitrag unseres geschätzten kreativen Münchners Karl Valentin, der dada war, schon bevor die entsprechende Bewegung in Zürich gegründet wurde und Surrealist noch vor André Breton und Paul Éluard. Heute spricht er als Stadtkämmerer Wstlpnpf zu uns, um die bedrohliche Lage im Verkehr zu beruhigen. 1937 geschrieben, arg kann es da nicht gewesen sein. Ich will mehr »

Fahrrad: die Bedrohung

web108 am 13. Februar 2022 um 00:29

Im Februar geht es mal nicht um einen konkreten Scheunenfund, sondern um ein Fundstück. Das Fahrrad ist ja kein poetischer Gegenstand, in der Lyrik gibt’s da kaum etwas (vielleicht in der neueren) und natürlich nichts bei Dostojewski, während Tolstoj Radfahrer war, ohne dass er das spüren lässt, doch ich habe einen Zufallsfund gemacht. Da wirft jemand von außen einen Blick auf die Radfahrer-Szene.  Ich will mehr »