Rückbau

web108 am 1. April 2020 um 00:02

Fotos aus Zürich und Umgebung. Sieht alles wie ein kosmischer Witz aus, und am Jahreswechsel, als wir auf dem Zürichsee herumkreuzten und die Panta Rhei wie ein Geisterschiff vorüberglitt und das Feuerwerk vor dem Bürkliplatz inkognito blieb hinter einem Rauchvorhang, hielten wir das auch für ein ironisches Phänomen, und hätte jemand damals (ja, damals) gesagt: Am nächsten ersten April, einem Mittwoch, sind Flughafen Zürich, HB Zürich und Bahnhofstraße menschenleer, und das dauert Wochen an, dann hätten wir gedacht, was hat denn der für ’ne Droge genommen? Ich will mehr »

Schöne Welt in Schwarz und Weiß

web108 am 31. März 2020 um 00:27

Farben sind etwas Wunderbares, doch auch die Darstellung der Welt in Schwarz und Weiß hat ihre Faszination, wenn der/die Fotograf/in sein/ihr Fach versteht. (Fotos haben zum Glück kein Geschlecht.) Schwarz-Weiß-Fotos sind wie philosophische Bemerkungen, da wird die Welt abstrahiert und auf Rhythmus sowie Licht und Schatten reduziert, und so tritt manchmal etwas Wesentliches hervor. Ohne Kommentar zum Ende des Monats ein paar Meisterfotos aus Venedig und Regensburg, zum ersten Mal auf manipogo zu sehen. Wenige Menschen, leere Welt, wie schön! Ich will mehr »

Fahrt vorsichtig!

web108 am 30. März 2020 um 00:26

München, meine Heimatstadt! Die Stadt vom Valentin Karl! Da lag im Bücherregal beim Altenheim ein opulenter Bildband über die Stadt aus dem Verlag Das Beste, 1994 veröffentlicht. Auf Seite 17 war ein Bild aus der ziemlich zerstörten Stadt 1945 abgedruckt, das Karlstor (Stachus), an dem ein Transparent prangt: »Death is so permanent. Drive carefully«. Fand ich irre. Ich will mehr »

Regression

web108 am 29. März 2020 um 00:43

Man kann nichts tun außer abwarten. Eigenartig, dieser lähmende Zustand. Wir sind miteinander umgegangen wie immer, haben uns angelacht und gefeiert, und nun soll das alles aufhören? Mein Mitmensch wird zum potenziellen Risiko, und ich kann schuldlos schuldig werden: Das sind Motive wie aus der griechischen Tragödie. Es ist auch nichts daraus zu lernen. Dennoch sollten wir Vertrauen haben, abwarten und auf bessere Zeiten hoffen. Ich will mehr »

Nähe und Distanz

web108 am 28. März 2020 um 00:53

Die 1,5 Meter Abstand zum Mitmenschen hält man weitgehend ein. (Würden Autofahrer nur die vorgeschriebenen 1,5 Meter beim Überholen eines Radfahrers respektieren!) Nähe und Distanz, das ist ein wichtiges Thema. Im Seelenleben. Zur Zeit geht es um die Körper, die voneinander getrennt gehalten werden müssen, und das ist simpel, ist sozusagen ein mathematisches, ein logistisches  Problem. Solche Probleme löst unsere Gesellschaft am liebsten.   Ich will mehr »

Karl Valentin und die Atombombe

web108 am 27. März 2020 um 00:16

Karl Valentin hat 1946 doch tatsächlich über die Atombombe geschrieben, die am 6. August 1945 auf Hiroshima gefallen war. Am 9. August traf eine zweite Nagasaki. Die Bomben fielen aus US-amerikanischen Flugzeugen, weil Präsiden Harry S. Truman das befohlen hatte. 100.000 Menschen starben auf der Stelle, 130.000 bis Ende 1945. Dennoch wurde Truman im November 1948 für eine zweite Amtsperiode gewählt (das ist kein gutes Omen, wir denken an Trump), bevor ihn Dwight D. Eisenhower ablöste, der vom Einsatz der Bombe abgeraten hatte. Ich will mehr »

Fessenheim

web108 am 26. März 2020 um 01:03

Ende Februar ging ich vom Dorf hinaus und eine Anhöhe hoch, um im Rebland spazierenzugehen. Ich wendete mich Richtung Westen, und gleich hat man den Blick auf die Rheinebene bis hin zu den Vogesen, tausend Meter hoch. Die Ebene war eine gestaltlose Fläche von graubrauner Farbe, in deren Mitte sich unverwechselbar die Türme und Mauern des Atomkraftwerks Fessenheim abhoben, als gäbe es sonst nichts dort unten, wo der Rhein zwei Länder teilt, die derzeit voneinander abgeschottet sind.  Ich will mehr »

Eine andere Welt

web108 am 25. März 2020 um 00:52

Vor 40 Jahren, ich erinnere mich, fuhren wir zu viert im Bus heim in »unsere« Wohngemeinschaft, die WG in der Puchheimer Bäumlstraße, nachdem wir ein Konzert von Hannes Wader gesehen hatten. Wir waren selig und schenkten jedem der anderen wortlos dasitzenden Mitfahrer ein Stück Schokolade, weil die Welt besser und freundlicher werden musste. Ich will mehr »

Sieben Tage, sieben Jahre

web108 am 23. März 2020 um 00:48

Munter tun wir uns in vergangenen Jahrhunderten um. Herr de Montaigne bereiste 1580 unser Land, und 30 Jahre früher war das Heptameron von Margarete von Navarra (1492-1549) erschienen. Hepta heißt sieben auf Lateinisch. Margarete hatte der Novellensammlung Dekameron von Boccaccio (1350) nacheifern wollen, bei der an zehn Tagen 100 Novellen erzählt werden. Margarete starb, als erst 72 Novellen vorlagen, passend für sieben Tage. Also Heptameron. Eine Novelle nehmen wir uns vor. Ich will mehr »

Zusammen im Licht

web108 am 21. März 2020 um 00:49

Titel und Untertitel des Buches, das uns hier angeht, sagen genau, worum’s geht: Glimpses of Eternity: Sharing a Loved Ones From This Life to the Next. Im Deutschen klingt das viel vorsichtiger, fast vage: Zusammen im Licht. Was Angehörige mit Sterbenden erleben. Deutsche Titel sind oft knallig und platt, doch wenn es nötig wäre (wie in diesem Fall), wird gekniffen und so getan, als ginge es um Hospizarbeit. Wieviel Mühe die Leute sich doch machen, den Tod wegzureden! Ich will mehr »