Archiv der Kategorie 'Feuilleton'

Kannibalen

Freitag, den 28. April 2017

Kannibalen wäre ein guter Titel gewesen für das Gespräch, das Oskar Roehler (Regisseur und Autor, geboren 1959 in Starnberg) mit Frank M. Raddatz für das Frühlingsheft von Lettre international (Berlin) geführt hat. Roehler kritisiert die Gesinnungsästhetik, und der echte Titel ist Magnetismus des Bösen.

Die Welt des Cosmopolitan

Freitag, den 11. November 2016

Mit meiner alter Mutter beim Zahnarzt gewesen. Blick aus dem Wartezimmer auf die Staufener Burgruine. Zu lesen gab’s neben einer Batterie überflüssiger Zeitschriften auch den Cosmopolitan, das Novemberheft. Ich kam mir, lesend, wie ein Ethnologe vor. Eine fremde Welt tat sich vor meinen Augen auf.

Die Scheune der motorisierten Drahtesel

Donnerstag, den 6. Oktober 2016

Schwer zu übersetzen, dieses Grange à bécanes, der Name eines Motorradmuseums in Bantzenheim gleich jenseits des Rheins im Elsass. Eine bécane ist ein Drahtesel, und Motobécane ist eine bekannte Firma. Kleb einen Motor an ein Fahrrad, und du hast ein Motorrad; wir sind ja eigentlich Brüder im Geiste und alle Biker.

Bauen Wohnen

Dienstag, den 27. September 2016

Für Architektur hatte ich mich lange Zeit interessiert. Warum eigentlich? Da ist ein Gedanke, der Form annimmt; und die ideale Form wäre der weiße Kubus mit großen Fenstern vor dem Meer, in dem der Bewohner viel Platz hat. Ungestört wandert er in den Räumen umher, ist behaust und dennoch frei. Das ist wohl der Gedanke.

Fernzündung

Montag, den 15. August 2016

Soll das eine gute Nachricht sein, dass der Schweizer, der in einem kleinen Zug Feuer legte und um sich stach, kein terroristisches oder politisches Motiv hatte? Die Tat erinnere an die Attacke eines jungen Mannes in Würzburg am 18. Juli, heißt es; sehr richtig beobachtet, ihr Medien, denkt mal drüber nach.

Victor Schoelcher

Freitag, den 13. Mai 2016

Der kleine elsässische Ort Fessenheim, gleich drei Kilometer hinter dem Rhein, besitzt seit einem Jahr ein schönes Museum für Victor Schoelcher (1804-1893), der Mitte des 19. Jahrhunderts fast im Alleingang die Sklaverei auf den französischen Gebieten abschaffte. Das ist ein Pluspunkt, kennen doch alle nur das dortige Atomkraftwerk.

Adorno und das Misslingen der Kultur

Montag, den 4. April 2016

Theodor W. Adorno hat als führender Philosoph der Nachkriegszeit immer wieder deutliche Worte gesprochen und in einer Vorlesung (am 20. Juli 1965 in Frankfurt) gesagt, dass »die Kultur bis ins Innerste hinein misslungen ist«. Diese pessimistische Aussage wurde jedoch auf dem Hintergrund von Auschwitz und der Atombombe getroffen, aber in Teilen gelten Adornos Erkenntnisse immer […]

Bologna – verwaist. Die Linke – verarmt

Dienstag, den 1. März 2016

Bologna ist eine große Stadt in der Emilia, hat 384.000 Einwohner, und doch ist sie verwaist, wie zu hören war, als Umberto Eco vor zehn Tagen starb. Der andere große Bolognese war Liedermacher Lucio Dalla, gestorben heute vor vier Jahren, und auch damals wurde der Spruch vom verwaisten Bologna, vom verwaisten Italien bemüht.

Die Dämonie des Baggers

Dienstag, den 23. Februar 2016

Es war nur, weil ich zum x-ten Male am Baggermuseum Ebianum vorbeikam, dass ich beschloss, einmal hineinzuschauen. Es liegt am Rhein in Sichtweite zum Burgturm von Kaiserstuhl, an der Einflugschneise des Flughafens Kloten. Bagger sind nicht für jeden, aber ein Museum, das macht doch neugierig.

Unsere kleine Stadt

Montag, den 15. Februar 2016

Sonntagabend bekamen wir wieder unseren alten Ludwigshafen-Tatort ― in fahlen Farben und mit verwischten Konturen, von Regisseur Roland Suso Richter mit melancholisch-tragischem Ton grundiert. Kopper verhalf zur italianità (»Maria, certo ti amo«), Frau Odenthal rannte viel, alles war fast wie früher. Wunderbar!