Archiv der Kategorie 'Literatur'

Die zwei Seiten der Medaille

Freitag, den 9. September 2022

Borges ist fantastisch. Seine Erzählungen sind mit mathematischer Präzision und gleichzeitig mit Feuer geschrieben, und am Ende gibt es eine Überraschung, bei der sich ein Abgrund auftut. Ich versuche, ein bestimmtes Motiv herauszuarbeiten, das Borges dankenswerterweise selbst erläutert hat. Es geht um die von Giordano Bruno geäußerte Erkenntnis, dass sich die Extreme berühren.

Minnedienst

Samstag, den 20. August 2022

Dr. Sonne sprach also, wie Musil schrieb. Darum muss es heute ein Auszug aus dem Mann ohne Eigenschaften sein, womit die Hauptfigur Ulrich gemeint ist, rational denkender Mensch wie Musil selbst, dem die Liebe aber nicht fremd ist.

Die weise Sonne

Freitag, den 19. August 2022

»Ihr Sonnenlosen!« klagte Atahuallpa in der Novelle von Jakob Wassermann, auf den mich Elias Canetti gebracht hatte (und wundersamerweise fand ich gleich danach das Reclam-Bändchen mit der Gold-Erzählung), der in Wien einen Weisen kannte: Dr. Sonne.

Das Gold

Donnerstag, den 18. August 2022

Jakob Wassermann (1873-1934) war in den 1920-er Jahren ein vielgelesener Autor in Deutschland. 1933, als die Nationalsozialisten Bücher verbrannten, ächteten sie auch den Juden Wassermann und seine Werke. Gebrochen und verarmt starb er bald danach in Österreich. In der Erzählung Das Gold von Caxamalca (1928) deutet Wassermann die kommende Katastrophe an. 

Kips Abschied

Mittwoch, den 10. August 2022

Kip Singh ist ein junger Inder und hat in England gelernt, versteckte Sprengladungen aufzuspüren und zu entschärfen. Ein Wunder, dass er zwei Kriegsjahre überlebt hat, bevor er im Sommer 1945, schon nach der deutschen Kapitulation, in einer Villa in der Toskana Unterschlupf findet. In ihr kümmert sich die Krankenschwester Hana um einen verbrannten Mann. Er […]

Zehn Jahre!

Montag, den 8. August 2022

Der Blog manipogo hat heute vor zehn Jahren begonnen. Seither wurden 2660 Artikel veröffentlicht (260 je Jahr), und die Statistik sagt mir, dass alte Beiträge oft angeklickt werden und für einen Teil der rund 1400 Abrufe am Tag verantwortlich sind. Die Leserinnen und Leser kommen aus 20 Ländern, darauf bin ich besonders stolz. Es gibt […]

Fünf Prozent

Freitag, den 5. August 2022

Bisweilen denkt man über sein Leben nach und kommt zu dem Schluss: Da war nicht viel. Unbedeutend eigentlich, vernachlässigbar; man hat reagiert, hat sich treiben lassen und am Ende das Gefühl, man hätte das Leben eines anderen gelebt, wie es Jorge Luis Borges ausdrückte; oder man hätte gelebt wie in Trance, am Rande aller Ereignisse. […]

Berta, Gertrud, Hedwig

Montag, den 1. August 2022

Der Titel nennt die drei wichtigsten Frauen, die in Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell (1804) vorkommen — und die ihren Männern gehörig einheizen. Im vergangenen Jahr war dies (wie heute, am Schweizer Nationalfeiertag) bereits angedeutet worden, doch habe ich mich seither viel mit dem Theaterstück beschäftigt und bezeichnende Dialoge gesehen und herausgeholt. 

Anakreon

Freitag, den 29. Juli 2022

Eigentlich kenne ich seinen Namen seit vielen Jahren, denn Giovanna beschäftigte sich intensiv mit Anakreon, dem griechischen Dichter. Er lebte von 570 bis 495 vor Chistus und soll noch in hohem Alter dem Wein und der Liebe nicht abhold gewesen sein; dafür wird er verehrt. Sogar Eduard Mörike hat seine Gedichte übersetzt.

Der Buddhismus und das Wort

Dienstag, den 19. Juli 2022

Weisheit, Nirwana, Glück — darüber haben uns die wertvollen 366 Lesungen aus dem Buddhismus bereits etwas gesagt. Fehlt: die Liebe. Sie wird selten erwähnt. Distanziert soll sie sein, auf das  Äußere soll sie keinen Wert legen und zur Anhaftung soll sie auf keinen Fall führen. Interessanter sind sicher die sprachkritischen Bemerkungen, von denen ich zwei […]