Tagesanbruch, Himalaya

web108 am 4. Juni 2020 um 00:11

Irina Tweedie (1907-1999), die Russin, zog nach dem Tod ihres Gurus (wir reden noch davon) in den Himalaya, in einen Ashram auf 1850 Metern Höhe. Sie war das Schweigen und die Stille gewohnt, und die Natur bezauberte sie. Meist erhob sie sich noch vor Sonnenaufgang und setzte sich auf die Türschwelle. Und dann beschreibt sie uns in ihrem Buch Wie Phönix aus der Asche im Zeitraffer, was in den folgenden Stunden geschah … Ich will mehr »

Unser System

web108 am 3. Juni 2020 um 00:11

Man erinnere sich noch, wie immer gemahnt wurde, man dürfe das Gesundheitssystem nicht überlasten; Maßnahmen seien erforderlich. Nicht sagte man: Wir wollen euer Leben schützen! Vor elf Jahren hieß es: Banken sind systemrelevant, wir müssen sie retten. Also machte man ein paar hundert Milliarden locker und pumpte sie hinein in ein Bullshit-Gewerbe (David Graeber). Das System kommt immer zuerst. System first! Ich will mehr »

Flugverkehr (96): Gomez fliegt nach Barcelona

web108 am 2. Juni 2020 um 01:22

Fliegen hebt dich heraus aus dem Durcheinander. Du kannst dich neu orientieren und sehen, wo du stehst; die vergangenen Aufregungen sind nicht mehr so aufregend, eine wohltuende Distanz liegt zwischen dir und deinem Leben, und was im Flugzeug sitzt, das bist DU: ohne Beziehungen, Auto,  Haus, Job, Heimatland — das bist einfach DU, nackt und bloß und mit all dem, was du bist und gelernt hast. — Gomez verlässt Paris und fliegt nach Barcelona, es ist der 26. September 1938, Europa erwartet den Krieg, und das Buch heißt Le Sursis (Der Aufschub) von Jean-Paul Sartre. Ich will mehr »

ONE

web108 am 1. Juni 2020 um 00:50

Mein Foto muss einen Philosophen einfach begeistern. Wo es war, weiß ich nicht mehr. Es ist der Schriftzug ONE, der gerastert ist, also aus vielen kleinen Einheiten besteht. Das Eine besteht aus Vielem, und schöner kann man es nicht darstellen. Irgendwo schrieb Theodor W. Adorno, mein beorzugter Denker, über das Eine und das Viele, aber ich finde die Seiten nicht mehr. Also muss ich selber denken. Ich will mehr »

Das Herz des Herzens

web108 am 31. Mai 2020 um 00:09

Im Steinchen kommt der Guru von Irina Tweedie vor, und er spricht manchmal vom Herz des Herzens, dem tiefinnersten Bereich unserer Seele. Das musste mich an das Gedicht Der Karfunkel von Novalis (1772-1801) erinnern, das gleich erscheinen wird, garniert von Herzen, die ich auf meinen Reisen sah und fotografierte.  Ich will mehr »

Die Heiligen Geister

web108 am 30. Mai 2020 um 00:49

Pfingsten ist ein christliches Fest, da reden die Apostel in allen Zungen, weil der Heilige Geist als Flämmchen auf sie herabkommt. Eher zufällig stieß ich auf ein paar Interviews, die Franz Dschulnigg mit dem Pfarrer in Ruhestand und Theologen Till Arend Mohr führte. Das ist schon ein paar Jahre her, aber Pfingsten wird ja jedes Jahr gefeiert. Till Mohr hat mir jedoch die Augen geöffnet. Ich will mehr »

Maria, dich lieben

web108 am 29. Mai 2020 um 00:03

Der Mai ist Marienmonat, fast hätte ich das vergessen. Eine Maiandacht kann man immer abhalten und dabei die schönen Marienlieder singen, die inniger und wärmer klingen als die üblichen Hymnen. Sie richten sich an eine verehrungswürdige Frau. Früher ging sogar der Mann zuweilen in die abendliche Maiandacht, um Blicke mit der Geliebten zu wechseln (und sie hinterher noch zu treffen, sie heimzubegleiten mit der Hoffnung auf einen Kuss).   Ich will mehr »

Arnolphe: sprachlos

web108 am 28. Mai 2020 um 00:34

Die Schule der Frauen von Molière (1622-1673) ist köstlich, und man hat es schnell gelesen. Damals gegen Ende des 17. Jahrhunderts war alles in Reimen geschrieben, und das muss man erstmal ins Deutsche kriegen. Rainer Kohlmayer hat es, glaube ich, geschafft, aber ich übersetze gern selbst, aber nur ein paar Stellen, die die Komik auf die Spitze treiben. Ich will mehr »

Das Steinchen

web108 am 27. Mai 2020 um 00:48

Kleine Geschichten helfen weiter, wenn jemand nicht weiter weiß. Eine rührende Szene habe ich in dem Buch Wie Phönix aus der Asche von Irina Tweedie gefunden, die andere im Film La Strada von Federico Fellini. Beide Male bekommt ein Mensch einen Vorschlag, worin der Sinn liegen könnte, und beide Male wird dadurch jemand befreit und geht hinaus und lebt auf.  Ich will mehr »

Glück und Gesellschaft

web108 am 26. Mai 2020 um 00:43

Bücher übers Glück und wie man es erringt verkaufen sich immer gut. Man will wissen, ob es da ein Rezept gibt, weil heute angeblich alles machbar ist. Ich glaube, Adorno hat mich draufgebracht, und so bietet manipogo wie üblich Gedanken zum Thema, die woanders nicht zu lesen sind. Ich will mehr »