Retrostauration

web108 am 8. April 2021 um 00:17

Da steht nun dieses unverständliche Wort und fordert eine Erklärung. Sie kommt gleich. Giovanni Guareschi (1908-1968) schrieb in seiner Reihe um Don Camillo und Peppone eine kleine Geschichte mit dem Titel Fahrraddiebe, angelehnt an den Film von Vittorio de Sica (1948). Es geht um ein gestohlenes Fahrrad und die überraschenden Folgen — und um die Kunst, ein Fahrrad zu retrostaurieren (Begriff von mir).  Ich will mehr »

… nun fahren Sie auch noch Veloziped!

web108 am 7. April 2021 um 00:03

Noch 1870 muss es unerhört und revolutionär gewesen sein, ein Veloziped zu fahren, vor allem in der russischen Provinz. Anton Tschechow erzählt davon in der Geschichte Der Mensch im Futteral, und da er sich oft an seine Schulzeit erinnerte, wird wohl das hölzernes Zweirad à la Drais gemeint gewesen sein, das man mit den Füßen antrieb: ein Laufrad. Der Lehrer Belikow nahm Anstoß … Ich will mehr »

Flugverkehr (117): Mit Geistesschnelligkeit

web108 am 6. April 2021 um 00:39

Vor zwei Wochen, also noch vor Ostern, fiel mir eine Passage aus dem Gottesdienst auf. Der Dienstag nach dem Passionssonntag war es; die Katholiken haben vor Ostern jeden Tag  Evangelium + Lesung, und bei den Geschichten aus dem Alten Testament geht es immer um Heilung oder Errettung aus Todesnähe (im Vorgriff auf Jesu Auferstehung). Also: Daniel wurde verleumdet und in die Löwengrube geworfen. Sechs Tage taten die hungrigen Löwen ihm nichts, und auch er war hungrig. Da griffen die Engel ein. Ich will mehr »

Ève Lavallière

web108 am 5. April 2021 um 12:44

Ich zögerte, nahm das Buch dann doch an mich. Barbara von Blarer erzählt »der Jugend« das Leben der französischen Schauspielerin Ève Lavallière (1866-1929), die nach großen Erfolgen ins Kloster ging. Sowas liest man rasch und fühlt sich danach erhoben. Aber ein Detail wollte mir nicht aus dem Sinn gehen, und ihm gehen wir gleich nach. Ich will mehr »

Die neue Welt

web108 am 4. April 2021 um 00:17

Odin bedachte seinen drohenden Untergang und wartete. Er wollte das Ende des Lieds hören — wie Balder wiederkäme und die Welt neu würde. Süß und frisch wie die Lerche klang das Lied, als die Wala nach ihrer Pause wieder begann, und Odin auf seinem Thron hörte, wie die Stimme der Seherin aus der Luft zu ihm kam, ihn erreichte. Ich will mehr »

Weiß

web108 am 3. April 2021 um 00:11

Nur ein paar Umbauten waren nötig gewesen, und alles stimmte: am Karfreitag der Untergang der Welt, und morgen, am Ostersonntag, ihre Erneuerung: vertraut manipogo. Wir wollen das Christentum nicht ganz aus den Augen verlieren. Wer gestorben ist, taucht bald in unendliches Weiß ein, bevor ein Lichtstrahl ihn ruft, Vorbote des Lichts, das lebt und alles weiß. Weiß: ein paar Bilder aus den Bergen. Ich will mehr »

Götterdämmerung

web108 am 2. April 2021 um 00:17

Was für ein Bild: Auf seinem goldenen Thron sitzt in Gedanken Odin, der Chef der Götter, und die Mittagssonne füllt die Thronhalle mit goldenem Licht. In der Mitte der Halle steht im stahlblauen Mantel, eine schwarze Lammfellkappe auf dem Kopf, eine nordische Seherin, die Wala oder Völva. Sie beginnt zu singen, und ihr Gesang erhebt sich in die Lüfte. Sie singt von der bevorstehenden Götterdämmerung. Ich will mehr »

Schau nicht zurück

web108 am 1. April 2021 um 00:03

»Es ist Zeit, sagt der Wirt, die Glocken läuten schon. Aber schauen Sie nicht zurück!« So endet das Buch Späte Gäste von Gertrud Leutenegger, einer 1948 in Schwyz geborenen Autorin. Erst im vergangenen Jahr erschienen. Sehr gut. Ich will mehr »

Crossroads

web108 am 31. März 2021 um 00:03

»Ich stehe an der Kreuzung«, sang der Texaner Calvin Russell (1948-2011), »und viele Straßen kann man nehmen … Eine führt ins Paradies, eine andere zum Ruhm, eine dritte in die Freiheit, und ich schwör dir, unterscheiden kann man sie nicht.« Sein Crossroad ist ein großartiges Stück, live von ihm hier dargeboten, und es folgt eine kleine Geschichte zur Kreuzung.  Ich will mehr »

Angekommen

web108 am 30. März 2021 um 00:18

Robert Walser war ein unermüdlicher, fast gewalttätiger Wanderer. Immer wieder machte er sich auf den Weg. Eine Wanderung am Weihnachtstag 1956 war seine letzte; man fand seinen leblosen Körper in einem Schneefeld. Vielleicht hat er in diesem Text vorweggenommen, was ihm geschah: empfangen zu werden, endlich zu Hause angekommen zu sein. Ich will mehr »