Karl Valentin und die Atombombe

web108 am 27. März 2020 um 00:16

Karl Valentin hat 1946 doch tatsächlich über die Atombombe geschrieben, die am 6. August 1945 auf Hiroshima gefallen war. Am 9. August traf eine zweite Nagasaki. Die Bomben fielen aus US-amerikanischen Flugzeugen, weil Präsiden Harry S. Truman das befohlen hatte. 100.000 Menschen starben auf der Stelle, 130.000 bis Ende 1945. Dennoch wurde Truman im November 1948 für eine zweite Amtsperiode gewählt (das ist kein gutes Omen, wir denken an Trump), bevor ihn Dwight D. Eisenhower ablöste, der vom Einsatz der Bombe abgeraten hatte. Ich will mehr »

Fessenheim

web108 am 26. März 2020 um 01:03

Ende Februar ging ich vom Dorf hinaus und eine Anhöhe hoch, um im Rebland spazierenzugehen. Ich wendete mich Richtung Westen, und gleich hat man den Blick auf die Rheinebene bis hin zu den Vogesen, tausend Meter hoch. Die Ebene war eine gestaltlose Fläche von graubrauner Farbe, in deren Mitte sich unverwechselbar die Türme und Mauern des Atomkraftwerks Fessenheim abhoben, als gäbe es sonst nichts dort unten, wo der Rhein zwei Länder teilt, die derzeit voneinander abgeschottet sind.  Ich will mehr »

Eine andere Welt

web108 am 25. März 2020 um 00:52

Vor 40 Jahren, ich erinnere mich, fuhren wir zu viert im Bus heim in »unsere« Wohngemeinschaft, die WG in der Puchheimer Bäumlstraße, nachdem wir ein Konzert von Hannes Wader gesehen hatten. Wir waren selig und schenkten jedem der anderen wortlos dasitzenden Mitfahrer ein Stück Schokolade, weil die Welt besser und freundlicher werden musste. Ich will mehr »

Sieben Tage, sieben Jahre

web108 am 23. März 2020 um 00:48

Munter tun wir uns in vergangenen Jahrhunderten um. Herr de Montaigne bereiste 1580 unser Land, und 30 Jahre früher war das Heptameron von Margarete von Navarra (1492-1549) erschienen. Hepta heißt sieben auf Lateinisch. Margarete hatte der Novellensammlung Dekameron von Boccaccio (1350) nacheifern wollen, bei der an zehn Tagen 100 Novellen erzählt werden. Margarete starb, als erst 72 Novellen vorlagen, passend für sieben Tage. Also Heptameron. Eine Novelle nehmen wir uns vor. Ich will mehr »

Zusammen im Licht

web108 am 21. März 2020 um 00:49

Titel und Untertitel des Buches, das uns hier angeht, sagen genau, worum’s geht: Glimpses of Eternity: Sharing a Loved Ones From This Life to the Next. Im Deutschen klingt das viel vorsichtiger, fast vage: Zusammen im Licht. Was Angehörige mit Sterbenden erleben. Deutsche Titel sind oft knallig und platt, doch wenn es nötig wäre (wie in diesem Fall), wird gekniffen und so getan, als ginge es um Hospizarbeit. Wieviel Mühe die Leute sich doch machen, den Tod wegzureden! Ich will mehr »

Staufen, Breisgau

web108 am 20. März 2020 um 00:09

Besuche in dem Altenpflegeheim, in dem meine Mutter untergebracht ist, sind UNTERSAGT. Ruf doch mal an, ersuchte mich  vor ein paar Tagen meine Schwester. Hab ich gemacht. Unsere Mutter sitzt immer im Erdgeschoß am Fenster, mit Blick weg davon. Ich stellte mich also auf die Wiese, rief die Station an und bat die Diensthabende, meine Mutter doch mit dem Stuhl umzudrehen, damit sie mich sehen könne … Ich will mehr »

Herr de Montaigne bereist Deutschland

web108 am 19. März 2020 um 00:19

Am 5. September 1580 ging es los. Der Herr Michel de Montaigne (später durch seine Essays berühmt geworden), der Herr von Estissac und zwei oder drei weitere Edelleute starten mit vermutlich zehn Bediensteten eine berittene Badereise, die bis nach Rom führen soll. Ist interessant, da wir erfahren, was er vor 440 Jahren vorfand, zunächst in Süddeutschland. Ich will mehr »

Aids gibt es noch

web108 am 17. März 2020 um 00:45

Die Sache mit dem Virus darf ich nicht ignorieren, nein: manipogo muss sich einschalten und kann nicht alle anderen schreiben lassen, zumal viele Bürgerinnen und Bürger nun Zeit haben, im Internet herumzulesen. Physischen Kontakt solle man vermeiden; eine Armlänge Abstand! Da dachte ich an Aids, durch ungeschützten Sexualverkehr übertragbar. Darüber schreibt man, das ist journalistisches Tun, und man muss nur berichten, nicht kommentieren: Die Leser ziehen selber ihre Schlüsse. Ich will mehr »

Der lange Winter

web108 am 16. März 2020 um 00:40

Es war Mitte März in St. Gallen, ich erinnere mich, und im Halbschlaf am Morgen hörte ich aufheulende Motoren, und irgendetwas war anders. In der Nacht war Schnee gefallen, der weggeräumt worden war und in kleinen Bergen am Straßenrand lag, und die Autos kamen vorsichtig aus den Parklücken und wühlten sich durch den Schnee. Die Sonne schien auf das Weiß, und das war schön, vor allem da es der letzte Gruß eines Winters war, wenige Tage vor Frühlingsanfang. Ich will mehr »

Roma vuota

web108 am 14. März 2020 um 00:56

Rom, die große Stadt, ist wie ausgestorben. Man spüre einen Hauch des Todes, sagte mir eine Freundin, wenn man auf der Piazza di Spagna unterhalb der Spanischen Treppe spazierengehe; man freue sich sogar über einen Mann mit Hund. Ein wenig Angst habe man auch, doch es seien viele Polizisten unterwegs. Rom verlassen!? Wie damals einmal um 1400, als der Typhus aus den Sümpfen in der Stadt war und die Einwohner ihr Heil in der Campagna suchten.  Ich will mehr »