Vermählung und Folgen

web108 am 21. August 2020 um 00:48

Noch ein Stücklein von Jerzy Wittlin, den manipogo gestern im Programm hatte. Wieder ist das ein Musterbrief, Nr. 2, mit dem Titel Ein Sohn zeigt den Eltern seine Vermählung an. Dazu muss man nicht viel sagen; gehandelt muss werden, und rasch. Auch hier bedeutende Informationen, lässig nach und vor der Unterwäsche präsentiert. Alles easy, Leute!  Ich will mehr »

Verwandtenbesuch

web108 am 20. August 2020 um 00:59

Kommt heute in unseren Breiten (zum Glück) nicht mehr oft vor, der Verwandtenbesuch. Familien stehen sich eher fern, und muss man sich mal treffen, soll es nicht zu eng werden. Die meisten haben große Wohnungen; oder die Verwandten gehen ins Hotel. Anders war das früher, zumal im kommunistischen Osten, und ich stieß auf eine Geschichte des polnischen Satirikers Jerzy Wittlin, die mich lauthals lachen ließ, und das kommt nicht oft vor: darum das Stück hier auf manipogo. Ich will mehr »

Nachrichten in C-moll

web108 am 19. August 2020 um 00:29

Vorgestern sah ich mal wieder das italienische Telegiornale, die Hauptnachrichten auf dem ersten Kanal von 20 Uhr bis 20.30. Konnte ich kaum ertragen. In 20 der 30 Minuten ging es um das Virus, dessen Name ich auch nicht mehr ertrage und besser nur mit C benenne. Seit 5 Monaten bringt auch La Repubblica täglich das neueste Bulletin: 879 Neuansteckungen, 4 Tote. (Wo doch jeden Tag in Italien im Durchschnitt 1500 Menschen sterben, denn den Tod gibt es, nicht nur das C-Virus!) Ich will mehr »

Der Käfer

web108 am 18. August 2020 um 00:41

Der Apfelbaum, der wundermilde Wirt, wollte ja nichts für seine Segnungen, jedenfalls kein Geld. Bei Johann Peter Hebel (1760-1826) verlangt der Engel, der den Käfer in dem gleichnamigen Gedicht mit Wein bewirtet, auch nichts … halt, nur einen kleinen Gefallen. Einen kleinen Dienst als Gegenleistung für den gestillten Durst, kein Problem. So erklärt uns Hebel, der Zeitgenosse Uhlands, die Fortpflanzung in der Welt der Wälder. Ich will mehr »

Bei einem Wirte wundermild

web108 am 17. August 2020 um 00:09

Mitte Ende August, ich erinnere mich, hingen die Thurgauer Bäume voller Äpfel, und an ihnen vorbei sah ich hinunter auf den Bodensee. Es war eine Pracht. Nicht umsonst heißt der Kanton Thurgau »Mostindien«, denn überall wird Apfelmost gepresst. Ältere Semester kennen alle das Gedicht Einkehr, 1811 von dem Schwaben Ludwig Uhland (1787-1862) zu Papier gebracht. Ich will mehr »

Die Jungfrau der Welt

web108 am 16. August 2020 um 00:34

Koré Kosmou, die Jungfrau der Welt, ist ein Fragment von Hermes Mercurius Trismegistus — eine Erzählung von der Entstehung der Welt, selbst entstanden im 1. Jahrhundert. Wenn ich die Einleitung zu Virgin of the World von Anna Kinsford lese, bekomme ich eine Ahnung davon, wie reichhaltig und tief die Mythologie der alten Griechen war, die auf die Götterwelt der Ägypter aufbaute. Das alles verschwand allmählich, und das Christentum bediente sich an dem Material und legte uns ein lachhaftes Märchen vor, das im Vergleich zum Glauben der Griechen und Ägypter primitiv anmutet. Ich will mehr »

Maria am Kreuz

web108 am 15. August 2020 um 00:44

Heute ist mal wieder Ferragosto, nach Feriae Augusti, wie der Tag im Römischen Reich hieß. Schon im fünften Jahrhundert wurde an jenem Tag Mariä Himmelfahrt gefeiert. Man wollte die gute Maria unter die Heiligen aufgenommen wissen, von der man ja nichts weiß, die aber zur perfekten Frauengestalt hochgejubelt wurde. Ich will mehr »

Pauline Roland

web108 am 14. August 2020 um 00:38

»Ich will in gänzlicher Gleichheit und Freiheit leben«, schrieb Pauline Roland 1830, als sie 25 Jahre alt war. 40 Jahre nach Beginn der Französischen Revolution war wieder alles beim alten. Freiheit und Gleichheit galten nicht für die Frauen und nicht für die Armen, und »Brüderlichkeit« hieß das dritte Motto auf den blutbespritzen Fahnen der Revolutionäre, von Schwestern hörte man nichts. Nur einmal, doch, ja: 1791.     Ich will mehr »

Die Somnambule (2)

web108 am 13. August 2020 um 00:03

Anscheinend hat das nächtliche Reisen der Schriftstellerin Kaschnitz gefallen, sonst hätte sie nicht so oft ihre Fingerbewegung ausgeführt, die sie fortkatapultierte. Es ist ja spannend, was dann passiert. Ich habe meine diesbezüglichen Versuche aufgegeben; ich lasse mich überraschen, ob es von selbst kommt, und manchmal passiert etwas einfac deshalb, weil man darüber schreibt. Vielleicht diese Nacht? Ich will mehr »

Die Somnambule

web108 am 12. August 2020 um 00:20

Seltsames Wort. So — Somnambule — hießen früher Frauen, die in Trance oder Hypnose waren und dabei die Zukunft sahen oder unerhörte Dinge verrichten konnten. Unerhört sind ja jene Reisen des Bewusstseins, während der Körper schläft, womit ich nicht Träume meine, sondern Astralreisen. Das können vielleicht mehr Leute, als man meint, und nach Franz Werfel und seinem dicken Buch kommt heute Marie Luise Kaschnitz dran. Ich will mehr »