Sprüche und Pfeile

web108 am 19. November 2022 um 00:50

In Turin schrieb Friedrich Nietzsche seine Götzen-Dämmerung. Sein Vorwort datiert vom 30. September 1888. Drei Monate später, am 3. Januar 1889, verfiel der Philosoph der geistigen Umnachtung und starb am 25. August 1900 in Weimar, 56 Jahre alt. Seine 44 Sprüche und Pfeile in der Götzendämmerung enthalten aber noch ein paar treffende Spitzen; hier eine Auswahl daraus.  Ich will mehr »

Ende einer Diktatur

web108 am 18. November 2022 um 00:29

Nach fast 21 Jahren kam Mussolinis Dämmerung. Die Alliierten waren am 9. und 10. Juli auf Sizilien gelandet und hatten die Insel genommen. Der Faschistische Großrat wollte den »Duce« etwas eindämmen und empfahl dem König dessen Entlassung. Victor Emmanuel setzte also am 25. Juli 1943 einen überraschten Mussolini ab, der sogleich verhaftet wurde.  Ich will mehr »

Einfach leben

web108 am 17. November 2022 um 00:43

Das Leben ist ein schillernder Begriff. Vielleicht ist es, betrachtet als ein Am-Leben-Sein, auch nur ein Versprechen, ein Appell und eine Potenz — wie Geld und die Sprache. Kürzlich wurde ich darauf gestoßen und dachte darüber nach. Ich will mehr »

Außen und innen

web108 am 16. November 2022 um 01:02

Wir wollen uns nochmals dem Geld widmen, aber zunächst noch mehr zu dem Begriff Zahir (besser: zâhir) sagen, was uns zu einem kleinen Exkurs über orientalische Philosophie führt. Drei Begriffe brauchen wir dazu: zâhir — die Außenseite, das Manifestierte, das Äußerliche; bâtin — das Esoterische, Verborgene; ta’wil — die Auslegung oder die Erkenntnis. Ich will mehr »

Geld und Weltgeschichte

web108 am 15. November 2022 um 00:18

Ich nahm mir, inspiriert vom Zahir, den opulenten Bildband Das Geld vor, geschrieben um 1960 von Ernst Samhaber. Das Buch hatte 60 Jahre lang die spärliche Bibliothek meiner Eltern geziert, ohne dass ich es je zur Hand genommen hätte. Nun lernte ich viel und beschloss, rasch eine alternative Weltgeschichte zu skizzieren, in der das Geld seine ihm gebührende Rolle erhält.  Ich will mehr »

Der Kaiser und die Schlange

web108 am 14. November 2022 um 00:20

In dem Buch Alemannische Sagen stieß ich auf eine Geschichte, die verblüffend an den Zahir von Borges erinnert. Aufgezeichnet haben sie die Gebrüder Grimm, die sie 1818 publizierten. Ich schreibe sie einfach ab; mit der Schlange an sich (mein ursprünglicher Plan) können wir uns irgendwann danach beschäftigen. Die Hauptperson ist Kaiser Karl der Große, geboren 747 und gestorben in Aachen 814. Ich will mehr »

Borges‘ Zahir

web108 am 13. November 2022 um 00:45

Die Erzählung El Zahir von Jorge Luis Borges gehört zu seinem El Aleph, das wurde mir erst jetzt klar. Zahir ist das Gegenstück zum Aleph und dessen Abwandlung, und wenn ich Borges lese, erfasst mich eine eigentümliche Erregung, weil sich alle möglichen Bezüge auftun, alles mit Bedeutung aufgeladen ist und hinter allem Geheimnisse des Universums versteckt scheinen, von deren Existenz man nichts ahnte.  Ich will mehr »

Hotel

web108 am 12. November 2022 um 00:08

Fünf Buchstaben zu lesen, die aneinandergereiht das Wort Hotel ergeben, in einer Stadt, in die der müde Radfahrer einfährt, ist eine Verheißung von Heimat — vielleicht nur für einen Abend, eine Nacht, einen Morgen. »Komm zu mir!« lockt die Schrift. Dann genügt ein Lächeln der Rezeptionistin, dass man glücklich ist. Man hat es geschafft. Man ist angekommen. Was morgen ist, das sehen wir dann. Etwas essen, gut schlafen. Todo bien. Ich will mehr »

Flugverkehr (148): Säulen am Himmel

web108 am 11. November 2022 um 00:11

Nachdem ich Flügel gesehen hatte, fiel mir eine überirdisch schöne Stelle in Wind, Sand und Sterne von Antoine de Saint-Éxupéry ein … und mir schwante, ich hätte sie bereits verwendet. Stimmt! Bei Himmelsmänner, dem 12. Beitrag für manipogo am 20. August 2012, an dessen Ende: verschenkt! Darum biete ich das Stück noch einmal an und ausführlicher. Ich will mehr »

Flugverkehr (147): Flügel, ein Film

web108 am 10. November 2022 um 00:45

Larissa Schepitko? Das junge Paar aus Weißrussland, wie ich im Pflegeheim tätig, winkte ab: nie gehört, den Namen. Kein Wunder. Die ukrainische Filmemacherin starb schon 1979 bei einem Autounfall und wurde nur 41 Jahre alt. Ihren Film Der Aufstieg habe ich behandelt, vier weitere beachtliche hat sie vollendet, und in Flügel (Кгылъя) von 1966 (am 10. November erstmals gezeigt) geht es ums Fliegen, klar.  Ich will mehr »