Stella und Christian

web108 am 7. Oktober 2020 um 00:06

Stella, was für ein schöner Name: der Stern auf Italienisch. Stella Petersen ist wunderhübsch, sportlich und Englischlehrerin. Sie und ihr Schüler Christian finden in Siegfried Lenz‘ Novelle Schweigeminute zusammen, die ich vor kurzem las. Sie ist von 2008 und also ein Spätwerk des großen Erzählers Lenz, der heute vor sechs Jahren gestorben ist, 88 Jahre alt. Ich will mehr »

Jonas‘ Schlusswort

web108 am 6. Oktober 2020 um 00:37

Wir waren ja gerade bei der Kunst, bei Bildern, beim Museum … Ein kleines Erlebnis in der Arbeit rief in mir eine Erzählung wach, an die ich viele Jahre nicht mehr gedacht hatte. Doch sie war in mir aufbewahrt, die Geschichte Jonas oder der Künstler bei der Arbeit von Albert Camus, Nobelpreis für Literatur 1957 (mein Geburtsjahr), drei Jahre danach tödlich verunglückt, 47 Jahre alt.  Ich will mehr »

Lichtschöpfer

web108 am 5. Oktober 2020 um 00:33

Gemalte Bilder sind in ihrer Materialität konkrete Dinge, und ihre Funktion ist die Repräsentation. Sie zeigen etwas und stehen für etwas, das für jeden anders sein kann. Ernst Cassirer hat die Sprache, die Kunst, die Wissenschaft und die Religion als symbolische Darstellungsformen bezeichnet. Symbole sind wandelbar; Bilder sind Kommentare zu einem Urbild, das im dunkeln bleibt, und im Museum hängen sie völlig verloren, vielleicht eines weiteren Kommentars bedürftig. Ich will mehr »

Denken um 1460

web108 am 4. Oktober 2020 um 00:26

Warum muss man es sich immer schwer machen? Das ist der Sinn von manipogo: Wir wollen etwas herausfinden und beisteuern und fragen uns mal, wie man im Mittelalter gedacht hat und wie es kam zu den Sprüchen von Gottes Wille und Gottes Strafe, warum man so ausgedehnt diskutierte und so grausam war. Dazu schaue ich in eigenen Aufzeichnungen nach und zitiere aus ein paar Büchern; zu schwer wollen wir es uns auch nicht machen. Ich will mehr »

Die Stadt Arras, um 1460

web108 am 3. Oktober 2020 um 00:17

Heute ist der Tag der deutschen Einheit. Dazu möchte auch manipogo etwas sagen. Das übernimmt Adrzej Szczypiorski mit seinem Buch Eine Messe für die Stadt Arras, das bereits 1971 erschien. Wikipedia hat einen Eintrag dazu, der jedoch, wie ich finde, mehr verschleiert als er aussagt, denn das Buch ist klar: Da wird etwas so versteckt, dass es gefunden werden muss; aber wenn man nicht finden will, findet man es nicht. Ich will mehr »

Ich arm, du reich

web108 am 2. Oktober 2020 um 00:46

Michel Foucault (1926-1984) dringt nach der Schilderung der guten Taten von Pinel und Tuke, gestern beschrieben, zum Thema Armut und Fürsorge vor. »Es gibt eine bestimmte Menge an Elend, die man nicht auszulöschen vermag«, schreibt er, und: Jene Armut sei außerdem notwendig, weil sie »den Reichtum möglich macht«. Dazu musste mir ein witziger (aber tiefsinniger) Vierzeiler von Bertolt Brecht einfallen. Ich will mehr »

Moralische Behandlung

web108 am 1. Oktober 2020 um 00:24

Ich finde, Publizistik (und auch der sogenannte Blog) sollte bisweilen auch etwas Positives verbreiten, das Mut macht. Heute ein Beitrag zum Thema mutige Männer.Keine Soldaten werden hervorgehoben, sondern mitfühlende Menschen. Philippe Pinel und Samuel Tuke haben es erreicht, dass die Irren Ende des 18. Jahrhunderts besser behandelt wurden: wie Kranke, nicht wie Verbrecher. Ich will mehr »

Jenseitige Bilder

web108 am 30. September 2020 um 00:27

Ich hatte schon einmal auf den youtube-Kanal Empirische Jenseitsforschung von Franz Dschulnigg aus der Schweiz verwiesen, der die Zeugen von Nahtod-Erfahrungen erzählen lässt. Die Berichte sind immer nur 15 Minuten lang und machen süchtig. In den USA gibt es so etwas natürlich auch. Ich sah mir einige Erzählungen an (auch da spricht einer, meist 30 Minuten lang), und mir fiel das Insert Anthony Chene production auf, der Name des US-Kanals. Ich will mehr »

Erhebet die Herzen!

web108 am 29. September 2020 um 00:37

»Erhebet die Herzen!« spricht der Priester in der katholischen Messe, und die Gläubigen antworten: »Wir haben sie beim Herrn.« — Priester: »Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott.« — Gemeinde: »Das ist würdig und recht.« Diese Akklamationen (Ausrufe) leiten das Hochgebet ein, den Lob Gottes, und sind seit dem 3. Jahrhundert unverändert. Der Dominikanermönch und Mystiker Heinrich Seuse (1295-1366) hatte sich den Spruch sursum corda (Empor die Herzen!) zu eigen gemacht. Er wollte ganz hoch hinaus. Ich will mehr »

Im Tausendjährigen Reich

web108 am 28. September 2020 um 00:41

Ich wollte mal wieder etwas aus dem Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil (1880-1942) zitieren und fand eine wunderbare Stelle, die sprachlich meisterhaft eine Utopie ausdrückt und einen Zustand der Seligkeit. Aber, wie ärgerlich, man muss eine Erklärung vorausschicken, weil Ulrich seiner Schwester Agathe sagt, sie würden »in das Tausendjährige Reich einziehn«.  Ich will mehr »