Verschmelzung

web108 am 12. Juni 2022 um 00:37

Unsere Serie über Spaltung und Zersplitterung ist nun durch dazwischenliegende Beiträge ihrerseits zersplittert worden, aber wir wissen ja: Wir müssen das Auseinanderstrebende zusammenhalten. Das Problem bei vielen Störungen ist, dass sich das Ich durch zuwenig Liebe nicht richtig festigen konnte und dazu neigt, mit Objekten und anderen Subjekten zu verschmelzen. Das ist ein Punkt, der mich sehr interessiert. Ich will mehr »

Magisch schizophren

web108 am 11. Juni 2022 um 00:12

Wenn es um zwei Seelen geht, dürfen wir die Schizophrenie nicht unterschlagen! Mit dem Buch Magic and Schizophrenia beschloss der Ungar Geza Roheim (1891-1953) sein Lebenswerk. Darin vereinte er seine ethnologischen Forschungen in exotischen Ländern mit dem, was er in der zweiten Hälfte seines Lebens über Schizophrene herausgefunden hatte. Das anregende Werk erschien erst zwei Jahre nach Roheims Tod.  Ich will mehr »

Hinter Mauern

web108 am 10. Juni 2022 um 00:19

Da wir gestern über Karl Jaspers und in diesem Zusammenhang auch über Hans Prinzhorn gesprochen haben, bietet es sich an, malwieder die Prizhorn-Sammlung zu erwähnen, die im Universiätsklinikum Heidelberg untergebracht ist. Die derzeitige Sonderausstellung läuft schon seit dem 24. März, dauert aber noch bis zum 31. Juli. Der Titel: Hinter Mauern. Fotografie in psychiatrischen Einrichtungen der Schweiz 1880-1935. Ich will mehr »

Psychopathologie

web108 am 9. Juni 2022 um 00:21

Die Pathologin untersucht, woran jemand gestorben ist. Pathologien sind krankhafte Erscheinungen, die in der Psyche jedoch nicht zum Tod führen. Karl Jaspers (1883-1969) legte 1913 — als 30-Jähriger — sein Lehrbuch der Allgemeinen Psychopathologie vor, das wegweisend wirkte, da er geistige Störungen in eine Ordnung brachte und sie mit philoophischem Hintergrund versah. Manche seiner Sätze aus dem Buch sind tief in mich eingedrungen. Ich will mehr »

Litaneien

web108 am 8. Juni 2022 um 00:20

An einem Sonntag im Mai pilgerte ich, wie üblich schwarz gekleidet, durch den Speisesaal des Heims und wusste nichts Rechtes anzufangen. Dann schlug ich mein Schott-Messbuch auf (das von 1938) und fing unvermittelt an, die Allerheiligenlitanei zu sprechen: laut und innig, in lateinischer Sprache. Und plötzlich packte es mich selber: Ich sprach die Namen, fand einen Rhythmus und spürte die Kraft der Wiederholung, den Reiz der Monotonie, die dich leert und füllt zugleich.  Ich will mehr »

Küssen ist gesund

web108 am 7. Juni 2022 um 00:10

Eine Plakatserie der Schweizer Krankenkasse Helsana zeigt schön den herrschenden unschönen Trend im Gesundheitswesen. Alles wird auf den Körper reduziert, und darin schwingt Egoismus mit: Ich will gesund sein. Natürlich ist das alles völliger Unsinn; niemand wird jemanden küssen, nur weil es seiner Gesundheit gut tut, soo krank sind wir zum Glück noch nicht. Aber es zeigt, wie diese Leute denken, die mit unseren Krankheiten Geld verdienen.  Ich will mehr »

Erleuchtung, christlich

web108 am 6. Juni 2022 um 00:44

Am heutigen Pfingstmontag endet bei den Christen glorreich die Osterfestzeit, indem der Heilige Geist vom Himmel kommt. Man muss doch dieses Fest Pfingsten (pentecoste steckt darin: 50 Tage nach Ostern) irgendwie mit Leben füllen können (was mir vor 5 Jahren nicht gelungen war)! Vor 10 Tagen fuhr Jesus Christus in den Himmel auf und schickte uns dafür den Heiligen Geist, den wir manchmal spüren können.  Ich will mehr »

Balugino

web108 am 5. Juni 2022 um 00:32

Vor genau zwei Jahren hatte ich in dem Beitrag Am Meer ein Gedicht von Giuseppe Ungaretti gebracht, dem wir uns hier näher widmen wollen. Mich überfiel plötzlich der verwegene Einfall, ein Bild dazu (und davon) malen zu wollen und dachte mir: Die Vorüberlegungen könnten zeigen, wie Kunst entsteht, wenn sie geplant wird (und nicht spontan entsteht). Ich will mehr »

Bipolar

web108 am 4. Juni 2022 um 00:19

Auch Mutter Erde hat zwei Pole: den Südpol und den Nordpol. Im Reich der Psyche bedeutet bipolar, zwischen Manie und Depression hin- und herzuspringen, was der Volksmund mit himmelhochjauchzend/zu Tode betrübt ausdrückt. Besser kann man es nicht sagen. Von Glücksgefühlen und irren Einkaufstouren geht es hinein in die Verzweiflung. Schwer, mit solch einem Menschen zu leben. Ich will mehr »

Der gute Mensch von Sezuan

web108 am 3. Juni 2022 um 00:37

Der gute Mensch von Sezuan war Schullektüre vor 50 Jahren, und wir haben das alles längst vergessen. Kann man aber nochmals lesen, das Brecht-Stück, und sich selber Gedanken darüber machen. Es wurde am 4. Februar 1943 in Zürich uraufgeführt. Man sagt, es handle sich um eine Parabel, die also eine Wahrheit über die Welt aussagt: wie sie durch die Menschen geworden ist.   Ich will mehr »